Der blockbare Tubus in der Pädiatrie

Der blockbare Tubus in der Pädiatrie

In der Erwachsenenmedizin stellt der mit Cuff versehene und damit blockbare Endotrachealtubus den „gold standard“ der Atemwegssicherung dar. Im Bereich der Pädiatrie war eben diese blockbare Variante über Jahrzehnte hinweg verrufen und eigentlich nirgends vorgehalten. Hintergrund dessen waren die unter Verwendung von blockbaren Tuben der frühen Generation beobachteten Schädigungen der Trachealschleimhaut dieses Patientenklientels welche durch einen relativ hohen Druck auf kleiner Fläche verursacht wurden.

Seit mehreren Jahren stehen nun jedoch blockbare Endotrachealtuben mit „low pressure“ Cuffs zur Verfügung welche diese unerwünschte Nebenwirkung nicht mehr mit sich bringen. Sie sind auch in den pädiatrischen Größen bis hinunter zu 2,5 mm Innendurchmesser erhältlich. Gerade in der präklinischen Akutmedizin birgt die Möglichkeit einer Tubusblockung den Vorteil eines relativ sicheren Aspirationsschutzes, der Vermeidung eines sogenannten Air Leak sowie einer evtl. notwendigen Umintubation bei Verwendung eines evtl. zu klein gewählten, nicht blockbaren Tubus.

Bereits 2009 wurde in einer RCT von Weiss et al (1) mit 2246 Patienten geschlussfolgert dass „…die Nutzung von blockbaren Trachealtuben bei kleinen Kindern eine vernünftige Abdichtung bei Cuffdrücken von =/< 20 cm H2O erreichen, die Notwendigkeit von Umintubationen verringern und nicht das Risiko von post-extubation auftretendem Stridor erhöhen.“

Eine aktuelle Arbeit von Chambers et al vom September 2017 weißt nun nochmals auf die Vorteile der Verwendung von blockbaren Endotrachealtuben im Bereich der Pädiatrie hin. Hier wurde in zwei Altersklassen (< 6 Jahre und 6 – 16 Jahre) nachgewiesen dass

  • das inspiratorische wie expiratorische Leakage Volumen bei geblockten Tuben geringer ist (PCV und VCV)
  • dadurch die Tidalvolumen konstanter blieben
  • weniger Korrekturmaßnahmen (Umintubationen) notwendig waren
  • die Rate der sonstigen Komplikationen geringer war

Unter Berücksichtigung beider Arbeiten sollte erwägt werden im Rettungsdienst für die Ausstattung von Kindernotfallkoffern / -Rucksäcken vozugsweise blockbare Endotrachealtuben vorzuhalten. Grundsätzlich muss natürlich auch im präklinischen Bereich ein Cuffdruckmesser zum Einsatz kommen.


(1) M. Weiss, A. Dullenkopf, J. E. Fischer, C. Keller, A. C. Gerber; Prospective randomized controlled multi-centre trial of cuffed or uncuffed endotracheal tubes in small children, BJA: British Journal of Anaesthesia, Volume 103, Issue 6, 1 December 2009, Pages 867–873, https://doi.org/10.1093/bja/aep290

(2) Chambers, N. A., Ramgolam, A., Sommerfield, D., Zhang, G., Ledowski, T., Thurm, M., Lethbridge, M., Hegarty, M. and von Ungern-Sternberg, B. S. (2017), Cuffed vs. uncuffed tracheal tubes in children: a randomised controlled trial comparing leak, tidal volume and complications. Anaesthesia. doi:10.1111/anae.14113

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