Toxidrome

Toxidrome

Unter einem Toxidrom versteht man das Beschwerdebild zusammengefasster Symptome bei Patienten welche einem Gift ausgesetzt waren. Hier sei darin erinnert, dass jeweils die Dosis das Gift macht und somit auch alltäglich gebräuchliche Dinge, wie zum Beispiel verschriebene Medikamente, zum Gift werden können.

Das Toxidrom verrät auch, welches Körpersystem betroffen ist und womit dann die meist symptomatische Behandlung angegangen werden kann. Die wohl am bekanntesten und am häufigsten auftretenden Toxidrome sind das…

  • sympathomimetische (z. B. Kokain, Amphetamin, Metamphetamin)
  • anticholinerge (z. B. Engelstrompete, Atropin, Diphenhydramin, trizyklische Antidepressiva)
  • cholinerge (z. B. Organophosphate, muskarin-haltige Pilze, Phystostigmin)
  • opioide (Opiatvergiftung)
  • sedativ-hypnotische (z. B. Benzodiazepin, Alkohol, GHB)

Die Übersicht der Veränderungen der betroffenen Organsysteme hier in tabellarischer Folge:

Bildschirmfoto 2020-05-27 um 10.26.03

Merkhilfen:

anticholinerges Syndrom

  • mad as a hatter – total verrückt
  • blind as a bat – blind durch Mydriasis
  • red as a beet – feuerrot
  • hot as a hare – heiß
  • dry as a bone – staubtrocken

cholinerges Syndrom

  • S Salivation – Speichelfluss
  • L Lacrimation – Tränenfluss
  • U Urination – Urinabgang
  • D Defecation – Stuhlabgang / Durchfall
  • G GI dysmotility – GI Motilitätsstörung
  • E Emisis – Erbrechen

 

  • D Diarrhea
  • U Urination
  • M Miosis / muscle weakness
  • B Bronchorrhea
  • B Bradycardia
  • E Emesis
  • L Lacrimation
  • S Salivation / sweating

Die Therapie erfolgt im Falle eines anticholinergen Toxidroms mit Physostigmin (für welches es übrigens seit 26.05.2020 keine i.m. Zulassen mehr gibt; wer auch immer dieses Medikament jemals i.m. angewandt hat). Das cholinerge Toxidrom wird mit Atropin angegangen. Beim opiodien Toxidrom steht Naloxon als Antidot zur Verfügung wobei die bis zum Verfügung stehen der Spritze notwendige Beatmung nicht vergessen werden sollte und darauf zu achten ist, dass eine langsame titrierte Gabe nur bis zum Einsetzen einer suffizienten Eigenatmung notwendig ist. Beim sedativ-hypnotischen Toxidrom kann im Falle von Benzodiazepinen als Ursache das Medikament Flumazenil als Antidot angewendet werden. Cave bei chronischem Benzodiazepin Missbrauch oder Mischintox; es kann zu Krampfanfällen kommen welche dann evtl. mit Benzodiazepinen nicht mehr beherrschbar sind. Oftmals ist eine rein symptomatische Therapie ausreichend und suffizient. Selbiges trifft für das sympatomimetische Toxidrom zu, welches im Falle von Kokain oder Amphetaminen gut mit Benzodiazepinen zum „Runterfahren“ und zur Ruhigstellung angegangen werden kann.

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