„high dose“ Nitro bei Lungenödem

„high dose“ Nitro bei Lungenödem

Das im Rahmen eines Hypertonus, und somit zu einer akuten Dekompensation des Herzens führenden, ausgelösten Lungenödem stellt im rettungsdienstlichen Alltag keine Seltenheit dar. Seltenst besteht bei diesen Patienten eine objektive Hypervolämie sondern das Herz kann  auf Grund der hohen Drücke seiner Pumpaufgabe nicht mehr im erforderlichen Maße nachkommen und das Volumen wird in u. a. in die Lunge umverteilt.

Warum ein Schleifendiuretikum in diesem Szenario zumindest kein Akutmedikament und schon gar nicht das Mittel der Wahl für den Erstangriff darstellt, haben die Kollegen/-innen von dasFOAM schon vor einiger Zeit in ihrem Artikel „Furosumid im akuten Lungenödem – wirklich?“ hervorragend abgehandelt.

Bei einem „hypertensiven“ Lungenödem stellt die Atemunterstützung durch NIV sowie die Senkung des Gefäßwiderstandes aktuell die Therapie der Wahl dar. Um eine Senkung des Gefäßwiderstandes im venösen wie auch arteriellen Stromgebiet zu erreichen, eignet sich Nitro in höheren Dosierungen.

Aber was heißt nun „höhere Dosierung“? Ein Sprüher unseres geläufigen Nitro-Sprays enthält 0,4 mg (400 µg) des Wirkstoffes und wir gehen aus bekannten Gründen in der Regel sehr sorgsam und in niedriger Dosierung mit diesem Medikament um. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass beim hypertonen Lungenödem die hochdosierte Gabe von Nitro dem Patienten zügig Besserung verschafft ohne gehäufte und schwerwiegende Nebenwirkungen zu auszulösen.

Micheal Perlmutter hatte vor kurzem eine Posterpräsentation einer kleineren Studie veröffentlicht in welcher das hypertensiv bedingte Lungenödem wie folgt angegangen wurde….

  • Syst. RR > 120 mm/Hg → 0,4 mg Nitro s.l.
  • nach 2 min. kein Ende der Beschwerden → 0,4 mg Nitro s.l.
  • Wiederholung alle 2 min
  • Transportzeit zum KHS > 10 min. → 0,08 mg/min Nitro i.v.

Hierunter kam es in bei einem der 44 eingeschlossenen Patienten zu einer kurzen hypotonen Phase welche sich jedoch ohne weitere Therapiemaßnahme selbst limitierte. Bei 42 von 44 Patienten trat eine merkliche Besserung der RR Werte und bei 38 von 44 Patienten eine Verbesserung der SpO2 Werte innerhalb von 5 Minuten auf.

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With permission by Micheal Perlmutter 

Ein Interview mit Michael Perlmutter zu dieser Arbeit könnt ihr euch im FOAMfrat Podcast von Tyler Christifulli zu Gemüte führen.

Auch weitaus höhere i.v. push Dosierungen von bis zu 2 mg alle 3 – 5 Minuten sind bereits beschrieben.

Dennoch hier nochmal wichtige Anmerkungen zur Anwendung von Nitro:

  • Niemals Nitro ohne vorherigen i.v. Zugang
  • Extreme Vorsicht bei RR syst. < 120 mm/Hg
  • Immer nach vorheriger Einnahme (< 24 h [Sildenafil and Vardenafil] und 36 h [Tadalafil] von Phosphodiesterase-5 Hemmern fragen! [1]

[1] How does Nitroglycerin Interact with Type 5 Phosphodiesterase Inhibitors (PDE5; Avanafil, Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) to Cause Hypotension?

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