Entbindung und Schildkröte???

Entbindung und Schildkröte???

Eigentlich stellt die im Rettungsdienst ablaufende Entbindung ja nicht wirklich ein Problem dar; abgesehen von evtl. aufgeregten Kolleginnen / Kollegen. Kinder wurden zu Hause zur Welt gebracht schon lange bevor es einen Rettungs- und Notarztdienst gab. In den meisten Fällen ist die Entbindung also nicht mit zu erwartenden Problemen verbunden. Aber eben „eigentlich“ und „in den meisten Fällen“. Was aber hat dies nun mit Schildkröten zu tun???

Einer der wirklich schwerwiegenden Zwischenfälle welche bei einer Entbindung auftreten können ist die Schulterdystokie. Hierbei kommt es bei einer bisher normal verlaufenden Entbindung während der Austreibungsphase zum Verklemmen der kindlichen Schulter an der mütterlichen Symphyse. Durch dies wird bei jeder Presswehe der kindliche Kopf ein Stück ausgetrieben und zieht sich nach der Wehe wieder zurück. Dies wird als „Turtle Sign“, also Schildkrötenzeichen, beschrieben.

Risikofaktoren für das Auftreten dieses Zwischenfalles sind mannigfaltig. Jedoch sind vor allem größere Kinder betroffen; u. a.:

  • Makromegalie
  • mütterliche Adipositas
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • verlängerte Austreibungsperiode

Die Inzidenz liegt bei unter 1 % wenn das Kind unter 4000 Gramm wiegt. Bei Kindern über 4000 Gramm kann die Häufigkeit auf bis zu 15 % ansteigen (1).

Wie bei den meisten schwerwiegenden Geburtskomplikationen ist ein aufkommender fetaler Stress mit Hypoxie das Hauptproblem. Aus diesem Grund sollte die Lage zügig, wenn möglich vor Ort, bereinigt werden. Ein Transport in die nächste Klinik kann zu prolongierten Hypoxiezeiten mit Spätschäden für das Kind enden. Auf Grund der Kräfte welche bei den Presswehen auftreten kann es zu Schäden am Brachialplexus sowie zur Schlüsselbeinfraktur kommen.

Maßnahmen:

  • Kein Druck vom Fundus aus nach unten ausüben! (Korkeneffekt)
  • McRoberts Manöver → anziehen der mütterlichen Beine bis Knie an den Schultern der Mutter anliegen → dadurch evtl. Weitung des Beckens und Befreiung der Schulter
  • Woods Manöver → Einbringen zweier Finger i. d. Geburtskanal und Tasten der klemmenden Schulter → mit Beginn der nächsten Wehe schraubenartiges Freidrehen der Schulter
  • Sollte all dies nicht zum gewünschten Erfolg führen ist an eine absichtliche Fraktur des Schlüsselbeines zu denken um das Kind zu entwickeln

Eine gute englischsprachige Zusammenfassung des Themas finden Sie hier:

EMDaily Blog – EMconf: Shoulder dystocia

McRoberts Manöver:

Woods Manöver:

 


(1) Perifacts.eu / Thema Schulterdystokie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s