Transport in Bauchlage bei ARDS

Transport in Bauchlage bei ARDS

Patienten mit schwerem ARDS sind oftmals in Bauchlage anzutreffen bevor sie im Rahmen der weiteren Therapieeskalation an eine V/V ECMO gehen. Oftmals erfolgt eine ECMO Anlage jedoch nicht im selben Haus in welchem der Patient primär aufgenommen ist. Eine Verlegung in ein ECMO Zentrum steht an.

Die Bauchlage soll hierbei eine Entlastung der dorsalen Lungenbereiche herbeiführen. Ein Vergleich mit einem mit Flüssigkeit gefülltem Schwamm ist hier zur Veranschaulichung nicht ganz unzutreffend; das Wasser wird sich im unteren Schwammbereich vermehrt sammeln. Auch auf das kardiale sowie abdominale Organsystem kann sich eine Bauchlage (prone position) positiv auswirken [1]. Und die ein oder andere Studie zeigt einen ziemlich deutlichen Vorteil der Bauchlage bei den richtig selektierten Patienten was die Mortalität anbelangt (23,6 % vs. 41 %) [2].

Meine Einstellung zum Verlegungstransport solcher Patienten war bisher „eigentlich nicht zu verantworten“. Es wäre besser die ECMO bereits vor dem Transport im abgebenden Haus anzulegen. Rein physiologisch bzgl. der Besserung und Stabilisierung des Patienten bin ich auch nach wie vor dieser Meinung. Allerdings ist es nicht immer möglich eine ECMO Team zum Patienten zu bringen.  Die oben erwähnte ablehnende Haltung beruhte einfach auf der Sorge dass der Patient dekompensieren und reanimationspflichtig werden könnte. Und dann auf der Trage aus der Bauchlage in Rückenlage…. ugh.

Vielleicht habe ich dies aber auch zu engstirnig gesehen und mir vielleicht auch zu wenig Gedanken darüber gemacht wie man dieses Problem lösen könnte. Letztendlich gibt es nicht viele Optionen für den Patienten….

  • ECMO Team kommt zum Patienten (beste, aber nicht immer möglich)
  • Patient bleibt in Bauchlage in der abgebenden Klinik (vermutlich fataler Ausgang)
  • Patient wird vor dem Transport in Rückenlage gedreht (führt meist zur Verschlechterung des Patienten)
  • Transport in Bauchlage

Die Optionen Zwei und Drei sollten also zügig verworfen werden. Bleibt nur noch Eins oder Vier.

Kollegen eines anderen Blogs haben sich mit diesem Thema auch beschäftigt und eine Lösung vorgestellt welche meines Erachtens einen guten Kompromiss in Bezug auf das Verhältnis Nutzen für den Patienten vs. Risiken darstellt. Sie haben diese Thematik sehr gut in einem Podcast aufgearbeitet und auch ein Video erstellt und veröffentlicht welches den Vorgang des Umlagerns auf den Rücken im Falle einer notwendigen CPR aufzeigt.

(Video bzgl. Umlagerungstechnik © by heavy lies the helmet blog)

Es muss allerdings klar sein, dass dies in der Realität mit Sicherheit nicht so einfach zu bewerkstelligen sein wird wie hier im Video. Die Gefahren lauern vor allem in der Diskonnektion des Tubus sowie evtl. anderer Zugänge welche in den Patienten führen. Dies muss auf jeden Fall verhindert werden und bedarf einer guten Vorplanung sowie des vorhergehenden Trainings. Auch muss die Seitenwahl zum Drehen dem jeweiligen Transportmittel bzgl. der Zugänglichkeit angepasst werden. Auch das Patientengewicht spielt bei diesem Vorgehen natürlich eine nicht unerhebliche Rolle.


[1] Treatment of ARDS With Prone Positioning. Scholten, Eric L. et al.; CHEST , Volume 151 , Issue 1 , 215 – 224

[2] Guérin C, Reignier J, Richard J-C, et al. Prone Positioning in Severe Acute Respiratory Distress Syndrome. N Engl J Med. 2013;368(23):2159-2168. doi:10.1056/NEJMoa1214103.

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