SMS – im Rettungsdienst eine Notwendigkeit?

SMS – im Rettungsdienst eine Notwendigkeit?

SMS muss nicht zwingend mit dem inzwischen sowieso kaum mehr genutzten „short message service“ in Verbindung stehen sondern kann durchaus auch etwas mit Sicherheit zu tun haben. Ein „safety management system“ sowie auch ein „risk management system“ mit entsprechend zugehöriger Risk-Matrix ist im fliegerischen Bereich, zumindest in den Systemen welche ich bisher kenne, kein Fremdwort und soll dabei helfen Risiken abzuwägen und Sicherheit zu schaffen. Ein Beispiel xls-Tamplet einer HEMS Risk-Matrix könnt ihr hier downloaden.

Sinn einer solchen Risiko Matrix ist es, die Höhe eines Risikos und somit eines Zwischenfalls zu ermitteln und letztendlich bei der Entscheidung über die Durchführung eines Einsatzes eine Hilfestellung bzw. in gewissen Bereichen sogar eine klare Entscheidung zu treffen. In eine solche Risiko Matrix fließen unter anderem Eigenschaften wie

  • Wetter
  • Sichtverhältnisse (Straßenverhältnisse)
  • Arbeitsdauer / Müdigkeit
  • Gesundheitsgefühl

mit ein. Hinter der Anwendung einer Risk Matrix welche dann auch Einfluss auf die Durchführung eines Einsatzes hat, muss natürlich auch ein komplettes Sicherheitssystem in der Firma stehen und auch gelebt werden. Wie oben erwähnt, im Luftrettungsdienst keine Seltenheit bzw. zum Teil sogar vorgegeben.

Es stellt sich mir nun die Frage warum dies nicht auch in den bodengebundenen Rettungsdienst Einzug findet? Macht es überhaupt Sinn oder ist es gar notwendig? Wenn ja, ist es umsetzbar?

In meinen Augen sind die oben aufgeführten Fragen durchweg mit „ja“ zu beantworten.

Natürlich wird es schwer bis unmöglich im Bereich der Notfallrettung Einsätze wegen schlechter Witterung oder Übermüdung abzulehnen. Gerade im Bereich des Krankentransportes sowie der Sekundärtransporte sollte sich jedoch die Erkenntnis durchsetzen dass durchaus eine Risikobewertung auch für den Bodentransport Sinn macht. Nicht nur dass wir uns sowie auch unsere Patienten einem gewissen Risiko aussetzen; wir verspielen uns gerade an Tagen mit massiv schlechten Witterungs- und Straßenverhältnissen auch Ressourcen welche zur Abdeckung von Notfällen an solchen Tagen einsatzlogistisch wertvoll sein können.

Einige Beispiele aus den vergangen Tagen und Wochen…..

Ein Krankentransport (Heimfahrt) über 190 Kilometer bei Schneetreiben und dementsprechenden Straßenverhältnissen macht nicht nur keinen Sinn sondern erhöht das Risiko eines Unfalls und bindet einen KTW fast eine komplette Schicht. (medizinisch keine Notwendigkeit)

Ein Intensivtransport bei Glatteis welcher eine Patientenverlegung auf Wunsch der Angehörigen anstrebt führt ebenso zu einem massiven Unfallrisiko wie auch zu einer langfristigen Bindung eines hochwertigen und nicht im Überfluss vorhandenen Rettungsmittels. (medizinisch keine Notwendigkeit)

Ein Intensivtransport bei Schneetreiben, Schneematsch und Eis eines Patienten in ein 60 Kilometer entferntes Krankenhaus nur weil die Ärzte beider Kliniken zusammenarbeiten, eine Aufnahme bei gleicher oder gar höherer medizinischer Versorgung im Umkreis von 15 Kilometer aber möglich wäre ist aus Gründen der Verkehrssicherheit wie auch medizinischer Risiken nicht sinnvoll.

Ein nach 10 Stunden durchgefahrener Nacht (12 h Schicht) anstehender ECMO Einsatz welcher neben der Ausreizung der 12 h auch noch zu 3 bis 4 Überstunden führt, bringt die Besatzung an die Belastungsgrenze und birgt Gefahren für die Besatzung wie den Patienten. Einsatzlogistische Alternativen müssen überdacht und genutzt werden.

Diese Beispiele zeigen, dass Risikoabschätzung und vor allem auch Risikoabwägung auch im bodengebundenen Rettungsdienst eigentlich machbar und sogar eine Notwendig ist. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine Implementierung eines gut gemachten Safety Management System hinter welchem auch die Führungsebene des Unternehmens steht.

Auch müssen die restlichen Verantwortlichen wie Leitstellen, Rettungszweckverbände sowie die im jeweiligen Bundesland federführende Behörde über die Situation sowie das Gefährdungspotential aufgeklärt werden und sich mit dieser Thematik befassen. Die wohl beiden am hochrangigsten einzuschätzenden Schutzziele sind die Sicherheit unserer Patienten sowie der Kolleginnen und Kollegen. Diese werden sträflich vernachlässigt wenn wir uns nicht dahingehend besinnen dass zumindest eigentlich vermeidbare Risiken in Kauf genommen werden nur um, wie wir früher in der Leitstelle immer so schön gesagt haben „die Zettel vom Tisch kommen“.

Um es auf den Punkt zu bringen…

Ist der Einsatz medizinisch nicht dringend indiziert und besteht aus dem einem oder anderem Grund oder gar mehreren Gründen in Kombination ein erhöhtes Unfallrisiko oder das Risiko medizinische Fehler zu begehen bzw. einsatzlogistisch unnötig ein hochwertiges Rettungsmittel zu binden so sollte der Einsatz zu einem späteren, besser geeignetem Zeitpunkt durchgeführt werden.

Es wird Zeit sich im Rettungsdienst endlich von der „you call, we haul“ Mentalität zu verabschieden!

Wer sich tiefergehend mit dem Thema Safety Management System bzw. der evtl. Implementierung eines solchen Systems befassen möchte, dem stehen hier zwei Downloads mit weiteren Informationen zur Verfügung:

Hier noch zwei Links mit interessanten Beispielen zum Thema Müdigkeit / Risiko Ermittlung (danke an S. Steigrobe für die Info):

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