OHCA – spielt Zeit bei der erweiterten Atemswegssicherung doch eine Rolle?

OHCA – spielt Zeit bei der erweiterten Atemswegssicherung doch eine Rolle?

Das Thema Atemwegssicherung bei Reanimation scheint ein immer aktuelles Thema zu sein. Gerade in Bezug auf die Diskussion ob nun auch Sanitätshelfer ein SGA Device anwenden dürfen oder nicht gießt das am 26. März 2019 von Benoit et al erschienene Paper [1] nochmals ein Pro-Argument dafür in den Raum.

Aber nun erstmal von Vorne. Derzeit sind wir ja auf der Welle, dass das Atemwegsmanagement bei der Reanimation primär etwas vernachlässigt werden kann. Eine durchgehende, qualitativ gute Herzdruckmassage sowie die frühe Defibrillation sind das A&O was ein gutes Outcome angeht. Daran ist auch nicht zu zweifeln, dass diese beiden Punkte unbestritten fokussiert werden und funktionieren müssen. Eine Maskenbeatmung oder gar high-flow Sauerstoffgabe während der ersten Phase ist also akzeptabel und hat nicht wirklich einen hohen Einfluss auf ein ROSC oder Überleben; dachten wir.

Bisherige Studien wie Airways-2 [2] oder PART [3] haben jeweils zwei verschiedene Wege des erweiterten Atemwegsmanagements verglichen und keinen signifikanten Unterschied zwischen ETT und iGel bzw. einen leichten Vorteil für den LT  festgestellt. Einzig das CAAM Trial [4] hat sich mit einem Vergleich von ETT und Maskenbeatmung beschäftigt. Ergebnis hier; keine wirklicher Unterschied in Betracht auf 28 Tage Überleben. Allerdings, und wen wundert es, eine schlechtere Ventilation und eine höhere Aspirationsrate in der Gruppe der Maskenbeatmung.

Keine der Studien (2-4) haben sich wirklich mit dem Zeitpunkt des erweiterten Atemwegsmanagement befasst. Hier kommt die Arbeit von Benoit ins Spiel. Es handelt sich um eine Auswertung der ROC PRIMED Studiendatenbank [5]. Insgesamt wurden 7547 eingeschlossen. Voraussetzung war ein beobachteter Arrest, egal welcher Rhythmus. Es wurde ausgewertet welchen Einfluss die Zeit vom Eintreffen des Rettungsdienstes bis zum erweiterten Atemwegsmanagement auf ein ROSC hat.

Hier ein kurzer Auszug aus den Resultaten…

„Each additional minute from EMS arrival to advanced airway placement decreased survival to hospital discharge for initial shockable (adjusted OR 0.91; 95% CI 0.89 to 0.93) and non-shockable rhythms (adjusted OR 0.89; 95% CI 0.85 to 0.92), and also decreased neurologically-intact survival to hospital discharge for initial shockable (adjusted OR 0.93; 95% CI 0.91 to 0.95) and non-shockable rhythms (adjusted OR 0.89; 95% CI 0.82 to 0.95)“

Auch wenn es sich hier bei dieser Arbeit „nur“ um eine retrospektive Datenbankanalyse handelt in welche noch dazu relativ alte Daten (2007 – 2010) wiedergibt, scheint der Zeitpunkt des Einsatzes eines erweiterten Atemwegsmanagements sehr wohl einen Einfluss auf ein ROSC zu haben.

Auch muss bei dieser Arbeit bedacht werden, dass es nicht heißt man müsse Intubieren. Das erweiterte Atemwegsmanagement umfasste die Strategien der SGA wie auch den ETT. Sie bestätigt aber meinen Eindruck dass die Beutelbeatmung die schlechteste Alternative darstellt; vor allem über einen längeren Zeitraum.

Dies dürfte vor allem an den damit verknüpften Komplikationen sowie der Schwierigkeit der einwandfreien Durchführbarkeit liegen. Nochmals, die Maskenbeatmung stellt eine Basismaßnahme dar welche bei weitem mehr Übung bedarf als manchen bewusst ist.

Mein Fazit:

  • Herzdruckmassage und frühe Defibrillation sind essentielle Punkte der Reanimation
  • Eine Vernachlässigung des erweiterten Atemwegsmanagements ist evtl. mit einem schlechterem Outcome verbunden (hier bedarf es einer großen RCT)
  • Bei Anwendung eines erweiterten Atemwegsmanagements sollte die Strategie angewendet werden für welche der Anwender die größte Expertise hat
  • Die Herzdruckmassage soll für das Atemwegsmanagement nicht unterbrochen werden
  • Alle Maßnahmen des Atemwegsmanagents bedürfen einer gründlichen Ausbildung und einem anhaltenden Training

Es bleibt also spannend….


[1] Justin L. Benoit, Jason T. McMullan, Henry E. Wang, Changchun Xie, Peixin Xu, Kimberly W. Hart, Uwe Stolz & Christopher J. Lindsell (2019) Timing of Advanced Airway Placement after Witnessed Out-of-Hospital Cardiac Arrest, Prehospital Emergency Care, DOI: 10.1080/10903127.2019.1595236

[2] Benger JR, Kirby K, Black S, et al. Effect of a Strategy of a Supraglottic Airway Device vs Tracheal Intubation During Out-of-Hospital Cardiac Arrest on Functional Outcome: The AIRWAYS-2 Randomized Clinical TrialEffects of a Supraglottic Airway Device vs Tracheal Intubation After Out-of-Hospital Cardiac ArrestEffects of a Supraglottic Airway Device vs Tracheal Intubation After Out-of-Hospital Cardiac Arrest. JAMA. 2018;320(8):779-791. doi:10.1001/jama.2018.11597.

[3] Wang HE, Schmicker RH, Daya MR, et al. Effect of a Strategy of Initial Laryngeal Tube Insertion vs Endotracheal Intubation on 72-Hour Survival in Adults With Out-of-Hospital Cardiac Arrest: A Randomized Clinical TrialInitial Laryngeal Tube Insertion vs Endotracheal Intubation Survival in Out-of-Hospital Cardiac ArrestInitial Laryngeal Tube Insertion vs Endotracheal Intubation Survival in Out-of-Hospital Cardiac Arrest. JAMA. 2018;320(8):769-778. doi:10.1001/jama.2018.7044.

[4] Jabre P, Penaloza A, Pinero D, et al. Effect of Bag-Mask Ventilation vs Endotracheal Intubation During Cardiopulmonary Resuscitation on Neurological Outcome After Out-of-Hospital Cardiorespiratory Arrest: A Randomized Clinical TrialEffect on Neurologic Outcomes of Bag-Mask vs Mechanical Ventilation During OHCAEffect on Neurologic Outcomes of Bag-Mask vs Mechanical Ventilation During OHCA. JAMA. 2018;319(8):779-787. doi:10.1001/jama.2018.0156.

[5] Justin L. Benoit, Jason T. McMullan, Henry E. Wang, Changchun Xie, Peixin Xu, Kimberly W. Hart, Uwe Stolz & Christopher J. Lindsell (2019)Timing of Advanced Airway Placement after Witnessed Out-of-Hospital Cardiac Arrest,Prehospital Emergency Care,DOI: 10.1080/10903127.2019.1595236

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