Überhang am Gürtel…. wirklich nur hypertrophes Gehabe?

Überhang am Gürtel…. wirklich nur hypertrophes Gehabe?

Am 27. April 2019 erschien auf dasFOAM.org der Artikel „Über Macht und Stolz“ welcher zwar in erster Linie auf das Verhalten und die Interaktion zwischen med. Fachkraft und Patient abzielt, allerdings auch den interprofessionellen Umgang der medizinischen Fachrichtungen / -Berufe betrifft. Schaut einfach mal rein und führt Euch die Zeilen zu Gemüte.

Gerade einmal zwei Tage später ist mir ein Tweet auf Twitter positiv aufgefallen welcher gleich die nächste Baustelle anspricht und mich zu diesem Blogartikel bewegte.

Zum einen geht es darum, dass das mitführen des ein oder anderen Utensils am Mann vielleicht gar nicht so dumm ist; dazu aber noch später. Vielmehr nervt mich an solchen Verpauschalisierungen wie im Tweet erwähnt, dass gerne alle in einen Topf geschmissen werden. Und dies nur aufgrund eines äußeren Merkmals oder einer Gruppenzugehörigkeit. Die „Holsterträger“ sowie die neben- und ehrenamtlichen Kollegen und Kolleginnen bilden hier das beste Beispiel.

Diese Verpauschalisierungen halte ich zum einen für sehr unkollegial und zum anderen auch unrealistisch. Es mag sein, dass es Kollegen/-innen gibt welche durch das Anhaften von möglichst viel Equipment am Gürtel versuchen etwas im Auftreten ihrer Erscheinung zu kompensieren. Das heißt nicht, dass alle so sind. Der ein oder andere hat sich vielleicht sogar ziemlich viel dabei überlegt und sich sein Equipment am Mann aus Erfahrung zusammengestellt. Und es bedeutet auf keinen Fall pauschal dass sie weniger Wissens- oder Handlungskompetenz als andere besitzen. Selbiges gilt für neben- / ehrenamtliche Kollegen/-innen. In meiner nicht gerade kurzen Laufbahn im Rettungsdienst habe ich viele Kollegen/-innen kennenlernen dürfen welche trotz Ehrenamtlichkeit und Gürtelbehang weitaus kompetenter waren als eine ebenso hohe Anzahl sich täglich in diesem Beruf bewegende Menschen.

Deshalb gilt für mich immer…

Beurteile Menschen immer nach dem Umgang / Verhalten im Team und der Arbeit am Patienten! 

Und nun nochmal zurück zum Thema Holster. Wie bei so vielem mag es der eine und der andere eben nicht. Auch ob es sinnvoll ist oder nicht mögen sich die Geister streiten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nach längerer Karenz wieder zu der Gruppe gehöre welche manches Equipment gerne immer am Mann parat hat.

Ich selbst löse dies nicht durch ein Holster sondern ein Hip Bag welches ich im Fahrzeug bei längeren Fahrten und auch auf der Wache leicht ablegen, bei Bedarf aber auch schnell wieder anlegen kann. Ob Holster oder Hip Bag ist also wie so vieles  ebenso Geschmacksache. Die erneute Zulegen sowie die Bestückung erfolgte einfach aus den Erfahrungen welche ich in meiner Zeit ohne ein solches Stück gemacht habe.

Einige mögen jetzt fragen „warum nicht in die Jackentasche?“ – habe ich nicht immer an. Andere „warum nicht in die Oberschenkeltaschen?“ – unbequem und unübersichtlich. „Warum überhaupt?“ – immer schnell griffbereit, egal wie weit der Rucksack entfernt ist.

Und um mich gänzlich zu outen, hier einmal die Bestückungsliste:

  • Kugelschreiber
  • Einmalhandschuhe
  • Stauschlauch
  • Stethoskop (außen an Schlaufe)
  • Rolle Hospisilk (am Taschengurt mit Kabelbinder)
  • Verbandschere (Vordertasche re.)
  • Je 1 G18 / G16; Isopropyltupfer (Desi und Übelkeit) , Braunülenpflaster (Vordertasche li.)
  • Checkliste RSI (laminiert Visitenkartengröße)
  • Tourniquet
  • Celox Pck.
  • Bougie faltbar
  • Skalpell
  • Karabiner mit montierten Verschlusstöpsel zum Sichern von Notfallspritzen (siehe rechtes Bild, folgender Tweet)

https://twitter.com/UCAirCareDoc/status/1117097568893149184

Und nein, keine Angst… Die Spritzen werden mit einem sterilen Konus verschlossen und dann auf den vorhandenen Konus aufgeschraubt. Auf die Hygiene ist also geachtet.

Auch eine Sport-Armhülle für Smartphones mag im Rettungsdienst etwas seltsam rüberkommen; erfüllt jedoch in verschiedenen Situationen einen guten Dienst.

Also… nicht immer steckt Imponiergehabe hinter allem was da so anzutreffen ist. Manchmal siegt einfach die Erfahrung aus der Praxis in verschiedensten Situationen. Ich plädiere auch nicht dafür dass sich jeder mit Holstern oder Hip Bags anfreunden soll. Ein „Generalbashing“ ist in meinen Augen ebenso der falsche Weg. #lebenundlebenlassen 🙂

Wenn ihr auch irgendwelche Gadgets oder Hacks habt die in Euren Taschen, Holstern oder Hip Bags Platz finden und auch für andere nützlich sein könnten dann lasst es mich doch bitte wissen.

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4 Gedanken zu „Überhang am Gürtel…. wirklich nur hypertrophes Gehabe?

  1. Volle Zustimmung!
    Don’t judge a book by its cover…

    Mein minibag enthält:
    – 1x Berotec Spray
    – 1 Ampulle Akineton
    – 1 Ampulle Oxytocin 10 IE
    – 1 Ampulle Haldol
    – 1 Fingerpulsoxymeter

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  2. Im ITW gabs ein paar Dinge die mir immer gefehlt haben wenn ich sie am dringendsten brauchte – weshalb sie es in einen Holster geschafft haben:

    Ich hab mir angewöhnt zB mit Handtüchern oder Windeltüchern Kabel- Schlauch- & Leitungskanäle zu rollen damit die Knotenbildung vermieden wird und ich bei bedarf schnell an der richtigen Stelle zugreifen kann. Die habe ich immer oben und unten mit je einer Klemme verschlossen. Also Metallklemmen (so 6-8)

    Für die ARDS Transporte und alles mit hohen Beatmungsdrücken und hohem PEEP noch ne breite stumpfe ungeriffelte Tubusklemme (erstaunlich schwer aufzutreiben hab ich festgestellt).

    Ein paar neutrale Klebeetiketten (für diverse Verwendungen von Patienteneigentum bis Medikamente)

    Handschuhe (immer ein paar aber nicht zwingend ein Paar)

    So geschnürt passt das alles in ein 08/15 Holster vom Versandriesen, das Stethoskop hab ich meistens in der OS-Tasche oder um den Hals

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  3. Durch den Praxisanleiter mit sehr hoher Kompetenz und ebenso vollen Holster da hingehend direkt sensibilisert worden, dass es viele „Heißdüsen“ gibt, was aber nicht zwingend am Holster fest gemacht werden kann und letztlich ist Heißdüse auch nicht was negatives – schließlich gibt es zu wenige, die ihren Job wirklich gerne machen.

    Selbst trage ich mein Equipment in den Seitentaschen – unbequem und eng, aber keine oder weniger blöde Kommentare.
    Hoffe nur dass das Material darunter nicht so sehr leidet, wenn es gequetscht wird.

    Dazu zählt bei mir:
    – Stethoskop und Pupillenleuchte (für ABCDE überall und sofort ohne Support)
    – Edding und Folienstift (Spritzen und Infusion Beschriftung, wenn keine Medi-Labels)
    – Kugelschreiber (selbsterklärend)
    – Spritzenstopfen (für Spritzen, Viggos etc)
    – Handschuhe (selbsterklärend)
    – Leukosilkstreifen auf Hose (ersr auf Anfahrt, das gefummel geht mir im Einsatz auf den Sack)

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