Mal aus einem anderen Blickwinkel

Mal aus einem anderen Blickwinkel

Vor einigen Wochen musste ich mich einer nicht gerade kleinen OP unterziehen. Und von einer Minute zur nächsten stand, oder besser lag ich auf der anderen Seite der medizinischen Versorgungskette. Das Gute daran, man wird gezwungen das Ganze einmal aus Sicht eines Patienten mitzubekommen. Eine gänzlich andere Sicht- und Erfahrungsweise aufzunehmen und sich damit zu beschäftigen. Es wird einem hierbei das ein oder andere erst einmal wieder so richtig bewusst.

Es wird einem ziemlich schnell klar wie wichtig Empathie und Verständnis aller am Versorgungsprozess beteiligten für das Wohlbefinden des Patienten sind. Selten ist es die hochtechnische Medizin alleine, welche für eine Genesung und das Wohlfühlen des Patienten verantwortlich ist. Das Menschliche im Krankenhaus oder auch Rettungsdienst ist eine wesentliche Grundvoraussetzung hierfür.

Ebenso wird einem bewusst wie sehr sich eine solche Situation auf die Familie des Patienten auswirkt. Nicht nur der Patient selbst steht unter Stress und hat Ängste; auch die nächsten Angehörigen sind hiervon maßgeblich betroffen. Ich kann nur annähernd nachfühlen welche Sorgen sich meine Frau gemacht hat. Welchen Stress es generiert hat Arbeit, Kinder und tägliche Besuche in einem 60 km entfernten Krankenhaus auf die Reihe zu bekommen. Sie hat all dies gemeistert und mir hierdurch auch im Krankenhaus bei der Genesung und psychischen Verfassung maßgeblich geholfen. Hierfür möchte ich mich auch hier nochmals ausdrücklich bei meinem Schatz und meinen Kindern bedanken. Deshalb ist eine enge Interaktion zwischen Patient, Angehörigen und med. Personal immens wichtig. Darum sollten strenge Begrenzungen der Besuchszeit eigentlich schon lange der Vergangenheit angehören; ja – auch auf Intensivstationen. Angehörige können auch in die gewisse Schritte der Pflege einbezogen werden und hierdurch durchaus auch für Entlastung sorgen.

All dies wurde mir sowie auch meiner Familie vom Check-in bis Check-out geboten und ich habe dies als äußerst angenehm und hilfreich empfunden. Dies bringt mich dazu auch einmal an die Patienten zu appellieren. Nicht nur wir als Patienten erwarten Empathie und Verständnis. Gerade in der heutigen Zeit laufen alle an der med. Versorgung Beteiligten meist im Hamsterrad und stehen an der Belastungsgrenze. Als Patient kann ich nicht nur Verständnis und Empathie einfordern sondern sollte diese auch, soweit ich dazu in der Lage bin, diesem Personenkreis ebenfalls entgegenbringen. Trotz der angespannten Personalsituation war ich von der „menschlichen“ Versorgung ausschließlich positiv angetan. Dafür gilt allen Beteiligten mein Respekt und hohe Anerkennung.

Patient – Angehörige – Rettungsdienst – Pflege – Arzt und alle andern Beteiligten wollen und brauchen eigentlich das Gleiche um ans Ziel zu kommen….

….gegenseitige Empathie, Verständnis, Respekt und Anerkennung sind eine maßgebliche Voraussetzung hierfür.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein ruhiges, besinnliches und vor allem gesundes Weihnachtsfest sowie alles Gute für das Jahr 2020!

Ein Gedanke zu „Mal aus einem anderen Blickwinkel

  1. Ein wirklich gut formulierter Artikel. Empathie ist genau so wichtig wie die medizinischen Skills. Ich ertappe mich immer häufiger dabei, das dies bei meinen Einsätzen fehlt. Es fällt mir häufig sehr schwer, emphatievoll zu sein. Die fehlende Indikation bzw. fehlende Einsicht bei meinen “ Patienten“ macht es nicht leichter. Oft werde Ich und meine Kollegen lediglich als Transporteure gesehen bzw. nicht als Notfallsanitäter von den Patienten war genommen.

    Danke das Du deine Erfahrung als Patient uns zu Gute kommen lassen hast.

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