Worst case – Vermeiden möglich?

Worst case – Vermeiden möglich?

Gestern ging ein online Artikel des NDR bezüglich eines Notarzteinsatzes durch die sozialen Netzwerke bei welchem der junge Patient letztendlich verstorben ist. Auch wenn wir alle nicht dabei waren und deshalb nicht wirklich wissen, was dort wirklich abgelaufen ist, so möchte ich trotzdem auf einige Punkte hinweisen, welche beim Lesen des Artikels sofort ins Auge stechen und Fragen aufwerfen. Dies soll ausdrücklich nicht deshalb geschehen um einen oder mehrere an den Pranger zu stellen sondern um solche Fehler, falls sie bei diesem Einsatz wirklich so aufgetreten sind, in der Zukunft zu vermeiden.

  • Überlege welche alternativen Möglichkeiten zur Medikamentengabe bestehen wenn der i.v. Zugang nicht klappt. Es muss nicht immer gleich der Bohrer sein. Auch i.m / MAD / rektal ist oft ein gangbarer Weg und auch der Wirkeintritt ist meist nicht wirklich wesentlich langsamer.
  • Nutze bei pädiatrischen Einsätzen Hilfsmittel zur Medikamentendosierung wenn du dir nicht 1000 %-ig bzgl. dieser sicher bist. Es gibt verschiedenste Hilfsmittel im Angebot (Lineal, Drehscheibe, App) und auch eine S2k Leitlinie bezüglich dieser Thematik.
  • Nutze die endotracheale Intubation bei Säuglingen und Kleinkindern nur dann, wenn Du hierin geübt bist. Es gibt auch hier genügend alternativen wie Maske/Beutel oder SGAs. Wichtig ist – Luft rein und Luft raus – nicht der Tubus. Auch hierzu gibt es genügend Papers, meist jedoch aus dem Bereich Paramedic gestützter Systeme. Ein äußerst aktuelles Paper zeigt jedoch auch bei einem NA gestütztem System wie wenig hilfreich eine Intubation sein kann.
  • Und hier nochmals der energische Hinweis: „Nutze verdammt nochmal ein Kapnometer – egal welchen Weg der Atemwegssicherung / Beatmung du nutzt!!!“
  • Denke an und lebe CRM – 10 für 10 ist oftmals hilfreich.

Zu guter Letzt möchte ich noch darauf eingehen, dass in so manchen Kommentaren zu oben erwähntem Artikel in den sozialen Netzwerken auf den Notarzt bzw. das Notarztwesen eingehackt wurde. Ja, wir wissen alle dass die Aus- und auch Fortbildung, gerade in Nischen wie der Pädiatrie, weitaus ungenügend ist. Dies trifft jedoch auf das Rettungsfachpersonal meist genauso zu wie auf die Notärzt*innen.

Rettungsdienst ist Teamarbeit! Und dies halt auch, wenn es um die Verantwortung gegenüber dem/der Patient*in geht. Auch wenn der/die NA/NÄ in letzter Instanz die Gesamtverantwortung zu tragen hat, darf das Rettungsfachpersonal, wenn es als kompetent erachtet werden will, sich während eines Einsatzes hier nicht aus der Affäre ziehen. Auch hier wäre wieder CRM ein guter Hinweis. 10 für 10 einzufordern oder alleine eine eingeworfene Frage wie „bist du dir sicher, dass du jetzt hier intubieren willst/kannst?“ hätte vielleicht das ein oder andere verhindert.

So long… auf dass uns und vor allem den Patient*innen solche Situationen erspart bleiben! #Training #Simulation #CRM #TEAM

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