Oh my love…

Oh my love…

 

Ich hatte in den letzten Tagen wieder einen dieser Einsätze welche mir gewöhnlich für längere Zeit im Gedächtnis bleiben. Wir transportierten eine 88-jährige Dame mit einer fulminanten Typ A Aortendissektion von einer Klinik in ein herzchirurgisches Zentrum um sie dort operativ zu versorgen. Trotz der Schwere der Diagnose war die Patientin noch wach und kommunikationsfähig sowie ziemlich aufgeregt.

Mir war bei Übernahme der Patientin ziemlich klar dass dies vermutlich für sie nicht gut enden würde und stellte mir, wie schon so oft, die Frage ob man hier den Dingen nicht vielleicht besser seinen Lauf lassen sollte und es der Patientin  so angenehm wie möglich zu gestalten anstatt noch maximal invasive Therapie anzuvisieren. Auch die Patientin war sich bezüglich der Ernsthaftigkeit der Situation wohl im Klaren.

Es ist schwer für uns in der Notfall- und Intensivmedizin ein offensichtlich nahendes Ende zu akzeptieren und vor allem dabei richtig zu handeln. Noch dazu sind die in diesen Situationen erforderlichen Massnahmen meist nicht akutmedizinischer sondern menschlicher Art.

Solche Situationen sind belastend für den Patienten wie auch für uns als Helfer. Es gibt kein Medikament um die Angst um die Gesundheit oder gar das Leben in solchen Momenten zu nehmen; weder uns noch dem Patienten. Dennoch ist es unsere Aufgabe dem Patienten zu zeigen dass wir für ihn da sind.

Was wir für den Patienten tun können….

-Empathie zeigen
-Zuhören
-Stille akzeptieren
-Ehrliches Mitgefühl zeigen

…und oftmals einfach nur die Hand halten!

Aber auch wir als Helfer benötigen Mechanismen um mit solchen und anderen Belastungen in unserem Beruf umgehen zu können und Schäden an uns selbst zu vermeiden. Und nein, das hat nichts mit „Weicheierei“ zu tun!

Hier können uns verschiedene Maßnahem, Rituale aber auch die Liebe zu unserem Beruf helfen. Ein hervorragender Vortrag von Liz Crowe, gehalten auf der SMACC Konferenz in Dublin (2016), arbeitet dieses Thema sehr gut auf und kann allen nur ans Herz gelegt werden.

„Where is the love in critical care?“

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