Notfälle bei älteren Menschen – Besonderheiten?

Notfälle bei älteren Menschen – Besonderheiten?

Notfälle mit Kindern sowie Kursangebote zu deren Bewältigung sind in aller Munde. Wie aber sieht es eigentlich mit Einsätzen bei Notfällen mit älteren Menschen aus? Gibt es dort Besonderheiten zu beachten und wenn ja, sind diese uns allen geläufig?

Mit Stand 31. Dezember 2015 standen 10,88 Mio. Einwohner in den Altersklassen unter einem Jahr bis 14 Jahren einer Einwohnerzahl von 17,30 Mio. über 65 Jahren gegenüber (1). Im Zuge des demographischen Wandels in den nächsten Jahren wird sich das Verhältnis noch weiter zu Gunsten der „älteren Menschen“ entwickeln. Gerade diese Personengruppe wird also einen Hauptanteil der rettungsdienstlichen Einsatzstatistik einnehmen.

Abgesehen davon dass das Altern Bestandteil des Lebens ist und bereits mit der Befruchtung im Mutterleib beginnt unterscheidet man zwischen einem primären Altern ( auf zellulärer Ebene, nicht beeinflussbar) und einem sekundären Altern (beeinflusst durch Krankheiten, Lebensstil usw.).

Was aber sollten wir nun über die Besonderheiten des älteren Menschen im rettungsdienstlichen Einsatz im Hinterkopf haben bzw. was ist zu beachten? Grundsätzlich gibt es kein Organsystem welches vom Alterungsprozess nicht betroffen ist. Hier eine kurze Auflistung einiger der Besonderheiten und deren Auswirkungen:

  • Niere / Leber → Medikamentenkumulation, Elektrolytentgleisungen, Wassereinlagerung, Dialysepflicht
  • Stoffwechsel → Über-/Unterreaktion auf Medikamente, Diabetes u. a.
  • Respiratorisches System → Vitalkapazität sinkt, Residualkapazität steigt → verminderter Gasaustausch
  • Herz/Kreislauf → Arteriosklerose → gehäuft ACI und Stroke, Hypertonus (cave bei Schockdiagnostik)
  • ZNS → Rückbildung Hirnmasse → spez. subdurale Hämatome bleiben evtl. länger unerkannt, sensorische und motorische Störungen → erhöhte Sturzgefahr, Epilepsie gehört zu den am häufigsten übersehenen Erkrankungen
  • Skelett → Rückgang der Knochendichte → erhöhte Frakturgefahr auch bei „geringfügigen Stürzen“
  • Immunsystem meist abgeschwächt → erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, schwerer Verlauf

Sieht man von den unaufhaltbaren und natürlichen Abläufen in den Organsystemen ab,  gibt es weitere Punkte auf welche wir achten müssen. Verschiedene Krankheitssymptome können zum Beispiel durch verordnete Medikamente bzw. deren Wechselwirkungen ausgelöst sein. Ein Patient welcher ß-Blocker wegen arteriellem Hochdruck verabreicht bekommt wird bei einem Schockgeschehen trotz alle dem evtl. mit einem syst. Blutdruck von 125 mm/Hg und ohne wesentliche Tachycardie aufgefunden werden.  Auch das Zusammentreffen verschiedener Krankheiten bei einem Patienten (Multimorbidität) macht uns das Handeln nicht unbedingt leichter. Gerade ab einem gewissen Alter sollte beispielsweise  bei Verkehrsunfällen immer ein internistischer oder neurologischer Auslöser im Hinterkopf sein.  Ein besonderes Augenmerk sollte auch auf den besonderen Wärmeerhalt gelegt werden. Die häufige Einnahme von Blutverdünnern steigert die Blutungsgefahr!

Aber nicht nur körperlich sondern auch psychisch treten Veränderungen auf. Allem voran sei an die Demenz gedacht. Auch die Inzidenz der Depression steigt mit dem Alter. Beides, wie auch die körperlichen Einschränkungen führen schnell in eine persönliche und soziale Isolation. Durch Hör- und Sehstörungen wird die Kontaktaufnahme weiter erschwert. Trotz und gerade aus den hier genannten Gründen gilt für die Kommunikation mit diesen Patienten:

  • langsam, laut und deutlich sprechen
  • kurze, einfache Fragen
  • aktives Zuhören
  • auf Augenhöhe mit dem Patienten kommunizieren
  • Patienten immer mit Namen ansprechen (Oma oder ähnliches ist VERBOTEN!)
  • nicht bevormunden

Sich auch eine kurzen Überblick über die häusliche Gesamtsituation sowie das soziale Umfeld zu machen ist wichtig. Das Ergebnis muss bei einer Entscheidungsfindung ob der Patient zu Hause belassen werden kann oder in eine Klinik verbracht werden muss Einfluss nehmen.

Soviel in einem kurzen Überblick zu dieser Patientengruppe. Um die anfängliche Frage zu beantworten: „Ja, es gibt Besonderheiten“. Und ja, es gibt wie für Kindernotfälle auch für diese Patientengruppe bereits eigene Kurssysteme. Hier sei zum Beispiel GEMS  (2) genannt. Gerade im Hinblick auf die Häufigkeit des Zusammentreffens mit dieser Patientengruppe steht es uns gut uns ausführlicher mit dieser und deren besonderen Anforderungen zu befassen.


(1) Bevölkerung – Zahl der Einwohner in Deutschland nach Altersgruppen am 31. Dezember 2015 (in Millionen) statista Statistik Portal abgerufen 20.04.2017

(2) Geriatric Education for EMS (NAEMT)

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s