Tranexamsäure bei postpartaler Blutung – WOMAN trial

Tranexamsäure bei postpartaler Blutung – WOMAN trial

Die postpartale Blutung (PPH) stellt die häufigste mütterliche Todesursache in der Geburtsmedizin dar. Sie tritt weltweit mit einer Häufigkeit von 100.000 auf. Man spricht von einer PPH ab einem Blutverlust von mehr als 500 ml nach der Entbindung binnen der ersten 24 Stunden. Dies kann auch bei rettungsdienstlichen Einsätzen in Zusammenhang mit einer Entbindung relevant sein.

Mit der WOMAN trial wurde versucht die Auswirkung von Tranexamsäure (TXA) auf die Sterblichkeit durch die PPH zu erforschen. Der Einsatz von TXA zu diesem Zweck ist übrigens nicht unbekannt. Sie wurde am 26. April 2017 in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Im Zeitraum von März 2010 bis April 2016 wurden insgesamt 20.060 Patientinnen in 193 Krankenhäusern verteilt auf 21 Länder in der randomisierten Studie erfasst. Die Tranexamsäure Gruppe erhielt 1 g TXA im Akutstadium. War die Blutung binnen 30 min. nicht zum Stillstand gekommen oder begann innerhalb 24 h erneut, erfolgte eine zweite Dosis TXA in Höhe von 1 g.  Die zweite Gruppe erhielt in beiden Fällen ein Placebo.

Effect of early tranexamic acid administration on mortality, hysterectomy, and other morbidities in women with post-partum haemorrhage (WOMAN): an international, randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Shakur, Haleema et al. (2017) The Lancet; http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)30638-4

TXA:

  • N = 10051 (10027 erh. 1. Dosis / 2836 erh. 2. Dosis)
  • Tod durch Blutung 155 (1,5 %)

Placebo:

  • N = 10009
  • Tod durch Blutung 191 (1,9 %)

Die Sterblichkeit durch TXA wurde statstisch signifikant (p=0.045) gesenkt. Sieht man sich das Patientengut an welches die TXA binnen der ersten drei Stunden nach Blutungsbeginn erhalten hatte, fällt auf dass diese am ehesten davon profitiert haben. Tod durch Blutung mit TXA 89 (1,2 %) vs. Placebo 127 (1,7 %) [p=0.008]. Dies deckt sich mit den Ergebnissen der CRASH2 und MATTERs Studie für den Traumabereich.

Auch die Anzahl der zur Blutungsstillung notwendigen Laparatomien war in der TXA Gruppe signifikant reduziert (82 {0,8 %} vs. 127 {1,3 %} [p=0.002]). Was jedoch nicht statischtisch signifikant gesenkt werden konnte ist die Anzahl der Hysterktomien, was evtl. daran liegt dass diese oftmals bereits zu Beginn der Randomisierung durchgeführt waren oder wurden.

Die zusammenfassende Schlussfolgerung der Studie lautet wie folgt:

„Tranexamsäure reduziert die Sterblichkeit durch Blutung mit PPH ohne Nebeneffekte. Wenn als Therapie für PPH verwendet, sollte Tranexamsäure so früh wie möglich nach Blutungsbeginn eingesetzt werden.“

Das heißt, eigentlich auch in der präklinischen Phase nach Feststellung einer postpartalen Blutung müsste das Medikament wie auch beim Trauma zum Einsatz kommen.

"Thoughts on the WOMAN trial" by Broome Docs
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2 Gedanken zu „Tranexamsäure bei postpartaler Blutung – WOMAN trial

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