Was man nicht alles überleben kann…

Was man nicht alles überleben kann…

Im Falle einer Reanimation oder eines wirklich schwerst erkrankten Patienten ist man oftmals geneigt anhand von einzelnen Werten über die Einstellung von Maßnahmen zu nachzudenken wenn diese nach gängiger Meinung und Leitlinienaussagen offensichtlich mit dem Leben nicht zu vereinbaren sind. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein dass diese als Grenzwerte angegebenen Zahlen als Richtwerte zu verstehen sind und man nicht nur anhand eines einzelnen Wertes über die Einstellung von Maßnahmen entscheiden sollte. Man sollte nicht für möglich halten was der menschliche Körper alles überleben kann wenn man zügig und gezielt therapiert. Letztendlich sollte immer das Gesamtbild sowie der Verlauf und die eigene klinische Einordnung maßgebend sein.

Hier einige Beispiele welche sicher Einzelfälle darstellen aber aufzeigen dass der einzelne Wert alleine oftmals ein unzuverlässiger Ratgeber sein kann.

Ertrinken

1986 stürzte ein 2,5-jähriges Mädchen in einen eiskalten Bachlauf und konnte erst nach über 60 Minuten gerettet werden. Sie überlebte eine ca. 3-stündige CPR incl. ECMO Anlage ohne neurologische Folgen. (Artikel: Miracle – 2 Year Old Recovers After Hour + Underwater)

Hypothermie

Die norwegische Medizinstudentin Anna Bagenholm stürzte 1999 beim Skifahren abseits der Piste in eine überfrorenen Schmelzwasserbach. Die erste notierte Körperkerntemperatur betrug 13,7 C. Auch sie überlebte trotz dieser tiefen Temperatur (oder gerade deswegen!) eine 3,5-stündige Reanimation und ECMO Anlage. Sie arbeitet heute als Ärztin. (Artikel: Between life and death – the power of therapeutic  hypothermia)

Kalium

Der ohne neurologische Schäden überlebte, höchste Kaliunwert betrug 14 mmol/L. Er wurde ca. 15 Minuten nach einer erfolgten Reanimation ermittelt und in folgendem Artikel beschrieben: Extreme hyperkalemia. Tran HA, South Med J. 2005 Jul;98(7):729-32; DOI: 10.1097/01.smj.0000197120.22152.ae Der derzeit in den GRC Leitlinien angegebene Grenzwert zur Abwägung eines Abbrechens der Reanimationsbemühungen bei Lawinenopfern beträgt 8 mmol/L! (GRC Poster Lawinenunfall)

PaCO2

Den höchsten PaCO2 welchen ich in der Internetrecherche gefunden habe wurde mit 345 mm/Hg angegeben. Er entstand auf Grund einer Lungenschädigung durch Aktivkohle Aspiration nach Ibuprofen Intoxikation.

pH Wert

Hierzu empfehle ich einfach den Genuss des folgenden Videos. Auch ein pH von 6,33 ist überlebbar.

Die meisten der oben aufgezeigten Beispiele sind auch Inhalt eines SMACC Vortrages von Patricia Gerritsen mit dem Titel „I am not dead“ und zeigen auf eindrucksvolle Weise was unser Körper eigentlich alles aushalten kann. Den original Vortrag könnt ihr hier abrufen:

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