Die Intubation während der Herz-Lungen Wiederbelebung stellt meines Erachtens nach wie vor den Gold Standard der Atemwegssicherung dar. Dies hat zwei wesentliche Gründe
- definitiver Aspirationsschutz
- höhere Beatmungsdrücke möglich
Supraglottische Atemwegsdevices haben den Vorteil einer schnelleren und vor allem auch sichereren Anlage durch in der Intubation Ungeübte; bergen jedoch auch Nachteile
- kein sicherer Aspirationsschutz
- niedrigere Beatmungsdrücke notwendig
- evtl. verminderter zerebraler Blutfluss durch Stauung mittels Cuffdruck
- evtl. Blockade des Atemwegs durch Fehllage des ösophagealen Lumens in der Trachea (Larynxtubus)
Zwei jüngere Arbeiten befassen sich mit dem Thema Intubation während der CPR; allerdings aus zwei ganz verschiedenen Blickwinkeln. Zum einen geht es darum welche Auswirkung die Intubationserfahrung des Paramedics auf das Outcome bei OHCA hat und in der zweiten Arbeit geht es darum ob eine Intubation innerhalb der ersten 15 Minuten während CPR überhaupt einen Vorteil oder gar einen Nachteil birgt.
Dyson, Kylie et al.; Paramedic Intubation Experience Is Associated With Successful Tube Placement but Not Cardiac Arrest Survival. Annals of Emergency Medicine; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.annemergmed.2017.02.002
Andersen LW, Granfeldt A, Callaway CW, Bradley SM, Soar J, Nolan JP, Kurth T, Donnino MW, for the American Heart Association’s Get With The Guidelines–Resuscitation Investigators. Association Between Tracheal Intubation During Adult In-Hospital Cardiac Arrest and Survival. JAMA. 2017;317(5):494-506. doi:10.1001/jama.2016.20165
In der Arbeit von Andersen et al wurden in Bezug auf das Überleben bis zur Krankenhausentlassung zwei Patientengruppen verglichen.
Intubation während der ersten 15 Minuten einer Reanimation:
71615 Patienten → Überleben 7052 (16,3 %) → gutes neurologisches Outcome 4439 (10,6 %)
Keine Intubation während der ersten 15 Minuten:
43314 Patienten → Überleben 8407 (19,4 %) → gutes neurologisches Outcome 5672 (13,6 %)
Eine Intubation innerhalb der ersten 15 Minuten einer Reanimation führte in dieser Vergleichsstudie also zu einer erhöhten Mortalität sowie einer höheren Morbidität nach Überleben. Es sei darauf hingewiesen dass es sich hierbei ausschließlich um Reanimationen bereits hospitalisierter Patienten handelte und auch hier keinerlei Daten ersichtlich sind wie lange der Zeitraum des Intubationsvorganges war und ob hierzu die CPR unterbrochen wurde.
Meine Schlussfolgerung in Bezug auf die in der Überschrift gestellte Frage bei Betrachtung der beiden Artikel:
Die Antwort auf die gestellte Frage ist schwierig und ich würde sie mit einem „Jein“ beantworten. Klar sollte sein dass die (zumindest frühzeitige) Intubation nicht ausschlaggebend für das Überleben sein wird. Eine suffiziente Masken/Beutel Beatmung ist angeraten. Wie aber die Arbeit von Dyson zeigt ist ein FPS bei der Intubation mit einer Erhöhten Entlassungsrate verbunden. Was mir in beiden Artikeln fehlt ist die Zeitangabe für welche die CPR zur Intubation unterbrochen wurde. Und hier liegt vermutlich der Knackpunkt zur letztendlichen Beantwortung der Frage. Wird für die Intubation die CPR nicht unterbrochen und dann auch noch mit einem FPS intubiert, dürfte dies meiner Ansicht nach das Beste für das Outcome des Patienten bedeuten. Kommt es beim Intubationsversuch zu einer Unterbrechung der CPR und somit zu einer m. u. langen „now flow time“ werden die Nachteile in Bezug auf das Outcome überwiegen. Meine Strategie wäre also für den in der Intubation geübten eine rasche Intubation ohne Unterbrechung der Herzdruckmassage und für alle anderen die Anwendung eines SGA unter Inkaufnahme derer Nachteile. Wobei auch deren Einlage ohne Unterbrechung der CPR stattfinden sollte.
Zum Thema Beatmung während CPR siehe auch folgender Artikel:
Ein Gedanke zu „CPR und Intubation – widerspricht sich das?“