Intensivtransport oder Notarztverlegung?

Intensivtransport oder Notarztverlegung?

In einer fiktiven Klinik befindet sich ein fiktiver Patient auf der Liege in einem Eingriffsraum. Während der Behandlung wird der Patient gegen 15:30 plötzlich bewusstlos, beide Pupillen weiten sich binnen kürzester Zeit. Abgesehen davon dass ca. eine Stunde vergeht bis ein CCT angefertigt wird, wird der Patient intubiert und im Anschluss auf die hauseigene Intensivstation verlegt um die Anlage eines ZVK sowie einer arteriellen Druckmessung zu forcieren. Das CCT zeigt eine massive ICB mit kompletter Verdrängung der Ventrikel; eine neurochirurgische Abteilung ist in diesem Haus nicht vorhanden. Nach all dem wird gegen 18:30 ein Intensivtransportfahrzeug (da der Pat. katecholaminpflichtig ist) zur Verlegung in ein neurochirurgisches Zentrum angefordert.

Ein fiktiver Fall welcher sich so,  vor allem in verschiedenen Rettungsdienstbereichen welche einen ITW in 24 h Vorhaltung in Reichweite haben, nicht selten darstellt. Ein wesentlich näher gelegener Notarzt in Verbindung mit einem RTW wird aus verschiedensten Gründen nicht angefordert oder alarmiert. Immer wieder zu hören ist dass eine differenzierte Beatmung nicht möglich sei, der NA sich nicht mit Katecholaminen auskennt oder die arterielle Drucküberwachung nicht möglich ist. Auch die Angst der Leitselle einen NA für einen Primäreinsatz durch solch eine Verlegung zu blockieren wird immer wieder genannt.

Hier ein Appell an

  • das Personal der abgebenden Häuser
  • den Leitstellendisponenten
  • die RTW Besatzung
  • den Notarzt

Es gibt Patienten welche ausschließlich durch den wirklich sofortigen Transport in ein geeignetes Zentrum profitieren. Die Verkabelung mit ZVK, Arterie u. a. ist schön, wenn diese in dem Zeitraum bis zum Eintreffen eines geeigneten Transportmittels eingebracht werden können. Sie werden aber nicht das Leben des Patienten retten – eine Zeitverzögerung durch deren Anlage wird eher sein Leben gefährden bzw. die Morbidität erhöhen.  Auch der ITW mit einer meist wesentlich längeren Anfahrtszeit ist nicht des Rätsels Lösung! Grundsätzlich sollte für die Verlegung von akut vital bedrohten Patienten bei welchen die Zeit der wesentliche Faktor ist der nächstgelegene Notarzt für die Verlegung hinzugezogen werden. Dieser sollte eigentlich eine für solche Patienten ausreichende Beatmung unter Narkose sowie den Umgang mit Katecholaminen beherrschen. Ist die Transportstrecke relativ lange, darf gerne auf den Hubschrauber zurückgegriffen werden. Und nein, die Kosten für dieses höchste aller Rettungsmittel muss nicht das abgebende Haus bezahlen!

Zu den zeitkritischen, vital bedrohten Patienten oder solchen welche bei Zeitverlust mit erhöhter Morbididtät rechnen müssen gehören u. a.

  • akute cerebrale Blutung
  • akuter Schlaganfall
  • akuter STEMI
  • akute, nicht zu beherrschende Blutung

Die letztendlich rettende kausale Therapie muss nach Erkennen der Situation durch alle Beteiligte zügig und auch in letzter Konsequenz herbeigeführt werden.

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3 Gedanken zu „Intensivtransport oder Notarztverlegung?

  1. Es gibt Bundesländer, wie Sachsen, da ist die Verlegung mit einem Notarzt von einem stationär aufgenommenen Patienten verboten. Da muss ein Klinik-Arzt begleiten, hier werden normale RTW aus der Regelrettung dafür genommen. Leider gibt es manchmal Diskussionen weil das KH keinen Arzt frei hat zur Begleitung, dann wird versucht es der RTW Besstzung ohne ärztliche Begleitung aufzudrücken. Ich bin der Meinung das für akute Verlegung ein RTH immer die richtige Wahl ist, solange es der Zustand des Patienten zulässt.

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  2. In dem Bereich wo ich tätig bin können wir nur einen Perfusor regelgerecht verlassten. Wo sollen dann bitte schön die anderen 5 Perfusoren hin die es zu transportieren gibt.
    Der Transportführer geht das Risiko eines Übernahmeverschuldens ein wenn die Med. Geräte in einem Sek. Transport nicht richtig gesichert sind.
    Es steht ausser Frage das schnell gehandelt werden muss. Es ist jedoch nicht selten das diese Zeit schon auf den ITS liegen gelassen wird und der RD es ausbügeln darf.

    So schon mehrfach selbst erlebt.

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    1. Für das hier besprochene Patientengut sollte in der Regel ein Perfusor (Katecholamin oder Antihypertensiva), max. zwei, ausreichend sein. Eine Sedierung oder Narkose kann auch aus der Hand geführt werden. Diese Sekundärtransporte sind Notfalleinsätze. Das Übernahmeverschulden des Fahrers (dieser ist f. d. Sicherung verantwortlich) ist gegenüber der gesundheitlichen Schaden oder gar Tod durch Unterlassen abzuwägen. Im Notfall zieht der § 34 StGB immer die Gesundheit oder das Leben als höherwertiges Rechtsgut vor.

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