Wirbelsäule – der „South African way“

Wirbelsäule – der „South African way“

Ja, es geht schon wieder einmal um die Thematik der „Immobilisation“ der Wirbelsäule. Gerade haben die Kollegen von dasFOAM.org einen sehr guten Artikel in Bezug auf dieses Thema veröffentlicht (15.08.2017). Auch war hier in diesem Blog dieses Thema schon einmal aufgegriffen worden; gerade in Bezug auf die fehlende Evidenz des Nutzens aber der vorhandenen Evidenz der Nebenwirkungen von verschiedenen Hilfsmitteln zur Ruhigstellung der Wirbelsäule.

Hier möchte ich nochmals auf dieses Thema eingehen da im Januar dieses Jahres ein gutes Paper zu den aktuellen südafrikanischen Leitlinien in Zusammenhang mit Wirbelsäulentraumata veröffentlicht wurde. Diese Leitlinien wurden auf Basis der derzeitigen Evidenzlage in Zusammenarbeit mit der Trauma Society of South Africa sowie dem ITLS Southern Africa Chapter erarbeitet und veröffentlicht. Das Paper ist als Open Access Artikel online abrufbar:

Cervical collars and immobilisation: A South African best practice recommendation. Stanton, D. et al. African Journal of Emergency Medicine , Volume 7 , Issue 1 , 4 - 8

Hier ein zusammenfassender Überblick der in diesem Artikel erarbeiteten Grundätze zur Versorgung von Wirbeläulentraumata.

  • Beruhend auf Literatursichtung zum Thema im April 2016. Es konnten keine RCT’s gefunden werden. Einige bereits bestehende Guidelines aus anderen Ländern sowie sonstige Papers zum Thema fanden Einfluss.
  • HWS Verletzungen bei Traumapatienten sind selten (2-4 %). Kraft, und nicht Bewegung ist der Faktor welcher am ehesten Einfluss hat. Aufzeichnungen welche eine akute Verschlechterung durch plötzliche Bewegung bei der Versorgung nachweisen sind kaum vorhanden.
  • Immobilisation ist nicht der richtige Ausdruck, da eine vollkommene Ruhigstellung mit keinem Hilfsmittel erreicht werden kann. Besser ist der Begriff  Bewegungungseinschränkung – „motion restriction“.

1. Untersuchung und Erkennen

  • Schmerz über WS bei Bewegung oder Abtasten
  • Offensichtliche Deformation
  • Nicht erklärbare Hypotension ohne Tachycardie
  • Geminderte motorische und / oder sensorische Funktion
  • Lähmung

…sprechen für eine eventuelle Verletzung der WS.

  • Anwendung eines Algorithmus zur Klärung ob Ruhigstellung notwendig oder nicht

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Algorithmus zur WS Klärung S. African Guidelines aus „Cervical Collars & immobilisation: A South African best practice recommendation“ (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-ne/4.0/)
2. Extrication

  • Ansprechbare Patienten ohne Alkoholeinfluss und anderen v. d. WS ablenkenden Verletzungen welche nicht eingeklemmt sind > aussteigen lassen
  • Bereits selbst befreite Patienten zum RTW laufen lassen, hinlegen u. untersuchen, dann Bewegungseinschränkung nach Indikation
  • Spine Board zur Rettung, nicht zum Transport
  • KED System wird nicht empfohlen

3. HWS Management

  • Die Anwendung von „hard collars“ wird nicht empfohlen
  • Manuelle Ruhigstellung
  • Patienten in komfortabler Position lagern
  • Head Blocks
  • Andere „soft devices“ (z. B. Vakuummatratze)

4. Spinale Bewegungseinschränkung

  • Keine Ruhigstellung aus dem Stand. Patienten welche laufen können, können sich selbst auf der Trage platzieren.
  • Folgende Hilfsmittel zur Bewegungseinschränkung, anzuwenden in absteigender Reihenfolge
    • Vakuummatratze
    • Schaufeltrage
    • Tragenauflage
  • Der Transport auf einem Spine Board ist zu unterlassen

5. Monitoring / Transport

  • Beobachtung und Eingreifen i. Bezug auf Druckkomplikationen (Ulzera)
  • So bald als möglich von der Schaufeltrage
  • Wärmeerhalt bei Verwendung von Schaufeltrage (schnelle Ableitung von Körperwärme bei direktem Kontakt)

6. Dokumentation

  • Der Vorgang der Untersuchung, die Feststellungen sowie die Entscheidungsfindung für oder gegen Ruhigstellung
  • Die für die Ruhigstellung angewendete Technik
  • Druckulzera Prophylaxe

Besonders beeindruckend finde ich die erstmals klare Absage an die Verwendung von „hard collars“ in diesen Guidelines. 

Also sollte dieses Vorgehen wenn möglich der Vergangenheit angehören….

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2 Gedanken zu „Wirbelsäule – der „South African way“

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