Lyse-Vorhaltung im Rettungsdienst noch sinnvoll?

Lyse-Vorhaltung im Rettungsdienst noch sinnvoll?

Die gestellte Frage ist sicherlich etwas provokativ. Aber wie bei jeder Maßnahme und Medikation gibt es Befürworter und Gegner. Gerade mit einer stetig wachsenden, in der Fläche verteilten Verfügbarkeit der PCI Möglichkeit fällt auch zunehmend der Bedarf der Notwendigkeit einer präklinischen Lyse beim Myokardinfarkt um deren Vorteil im Rahmen des Zeitfensters auszuspielen (siehe hierzu GRC Guidelines 2015).

Nun gibt es aber neben dem Myokardinfarkt auch ein anderes Krankheitsbild bei welchem eine präklinische Lyse durchaus sinnvoll und unter Umständen sogar die einzig lebensrettende Maßnahme sein kann; die akute fulminante Lungenembolie.

Hier ein Beispiel eines Einsatzes welcher die Wirksamkeit vor allem an dem äußerst positiven Verlauf widerspiegelt:

Eine junge Patientin (in den Zwanzigern) erleidet zu Hause (kleinstädtischer Bereich mit eigenem KHS und NA Standort) den Zustand einer akuten massiven Atemnot. Der Rettungsdienst wird verständigt und folgerichtig der RTW und ein NEF entsendet. Bei Eintreffen wird die Patientin bewußtlos und zyanotisch vorgefunden. Fremdanamnestisch wird ein Druckschmerz in der Wade während der letzten Woche angegeben. Die Sauerstoffsättigung beträgt 50 % und der systolische Blutdruck befindet sich bei 40 mm/Hg; beide Werte trotzt nur kurzer Anwesenheit im Abwärtstrend erkennbar.

Aufgrund des Gesamteindruckes sowie der fremdanamnestischen Angaben entschließt sich der NA neben der notwendigen Standardversorgung noch in der Wohnung eine Lyse bei Verdacht auf Lungenembolie zu beginnen. Die Patientin wird im Anschluss höher katecholaminpflichtig (Norepinephrin) in die örtliche Klinik eingeliefert.

Hier wird im Schockraum die Therapie fortgesetzt und eine Zubringung eines ECMO Teams mit einer V/A ECMO mittels des zuständigen ITWs geplant. Im Zeitrahmen der notwendigen Telefonate für die Anforderung verbessert sich jedoch der Kreislauf- wie auch Oxygenierungszustand der Patientin soweit, dass ausschließlich der ITW für die Verlegung in ein Zentrum angefordert wird.

Dieser trifft ca. zwei Stunden nach Ereignisbeginn im Schockraum der abgebenden Klinik ein und findet eine inzwischen wieder spontan atmende (O2 Maske bei 12 l/min) sowie katecholaminfreie Patientin an. Der Transport in das Zentrum verläuft komplikationslos; eine ausführliche Konversation über die Ereignisse der letzten Stunden ist mit der Patientin möglich. Bei Abgabe in der Zielklinik ist eine SpO2 von 96 % bei 3 l/min Sauerstoff haltbar.

Dieser Verlauf zeigt eindrucksvoll, dass eine Vorhaltung einer Lyse auf einem arztbesetztem Rettungsmittel durchaus Sinn macht und auch die damit verbundenen Kosten von einer solchen nicht abschrecken sollten. Voraussetzung für die Sinnhaftigkeit ist jedoch auch, dass die auf diesen Rettungsmitteln eingesetzten Ärzte im Umgang mit der Lyse per se geschult sind und Erfahrung aufweisen und diese dann bei entsprechender Indikation ziel- und vor allem zeitgerecht zum Einsatz zu bringen.

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