Kein SGA als Alternative zur Maske im San-Dienst – ist das sinnvoll?

Kein SGA als Alternative zur Maske im San-Dienst – ist das sinnvoll?

Vor einigen Tagen hat eine große deutsche Hilfsorganisation entschieden ihren im Sanitätsdienst eingesetzten Helfern die Anwendung einer SGA als Alternative bei nicht funktionierender Maskenbeatmung zu untersagen. Hier ein Link zur ersten online Veröffentlichung des DRK LV Saarland auf Facebook. Neben der expliziten Erwähnung des Larynxtubus sollen auch andere SGAs aus der Sanitätsausbildung entnommen werden. Es wird sogar eine Entfernung aus der DIN 13155 angestrebt. Bezug genommen wird auf eine AMWF S1 Leitlinie zum prähospitalen Atemwegsmanagement, welche bei Treffen des Beschlusses noch gar keine Gültigkeit besessen hatte und erst im Dezember verabschiedet werden soll. Sie verweist auf eine gewisse Anzahl von notwendigen Anwendungen des SGA bis zur sicheren Beherrschung.

Der Facebook Post hatte ein reges Interesse bei den Lesern geweckt und es wurde heftig und durchaus meist sachlich diskutiert.

Es stellt sich mir die Frage ob es wirklich der richtige Weg ist, ein Hilfsmittel zur Atemwegssicherung aus der Ausbildung sowie der Anwendung zu verbannen, dessen Komplikationen meist auf falsches und zu weniges Training sowie Inkonsequenz des Prüfen des Duff-Druckes zurückzuführen ist.

Entschließt man sich dennoch dazu, wäre der richtige Schritt eine andere Alternative wie zum Beispiel eine LAMA der zweiten Generation oder noch besser die iGEL an dessen Stelle zu setzen.

Die Maskenbeatmung ist sicherlich eine gut anzuwendende Maßnahme um einen Patienten zu oxygenieren; wenn man es kann und wenn der Patient dies anatomisch zulässt. Und das suffiziente Anwenden einer Maskenbeatmung ist mit Verlaub mindestens genauso anspruchsvoll und bedarf ebenso einer immensen Lernkurve durch Anwendung wie ein SGA. Auch hier ist eine gewisse Anzahl von Anwendungen in der Praxis nötig um diese Maßnahme zu beherrschen [1]. Und nein, das Training an einem steifen Plastikgesicht einer Puppe ersetzt nicht die Anwendung in der Praxis um auch diese Maßnahme ausreichend zu beherrschen. Die Puppe hat kein Doppelkin, keinen Bart, und erbricht in der Regel auch nicht bei überblähtem Magen.

Eine Lagerungsverbesserung, wie durch das DRK angeraten, ist sicherlich oftmals aber eben nicht immer die Lösung um Sauerstoff in den Patienten zu bekommen. Des weiteren muss auch klar sein, dass der Helfer gerne in die Versuchung kommt den Patienten zu überblähen und gerade bei der Masken-Beutel Beatmung in der Reanimationssituation hierdurch eine Überblähung des Magens mit folgender Regurgitation und Aspiration die Folge sein wird. Man bedenke dass der Verschlussdruck des Magensphinkter in der Reanimationssituation gleich Null entspricht.

In meinen Augen kann die richtige Reaktion auf das Erkennen einer hohen Komplikationsrate bei Anwendung eines Devices eigentlich nur sein

  • massive Verbesserung der Schulung
  • oder Angebot eines leichter anzuwenden Devices

Das ersatzlose Streichen einer Alternative zur Maskenbeatmung sehe ich persönlich als äußerst kritisch wenn nicht gefährlich. Es bleibt zu hoffen dass die ärztliche Leitung dieser Hilfsorganisation ihre Entscheidung nochmals überdenkt und nicht an einer Entscheidung festhält welche in meinen Augen einen absoluten Schnellschuss ohne reifliche Überlegung der eventuellen Auswirkungen und möglichen Alternativen darstellt.


[1] Ryu Komatsu, Yusuke Kasuya, Hisanori Yogo, Daniel I. Sessler, Edward Mascha, Dongsheng Yang, Makoto Ozaki; Learning Curves for Bag-and-mask Ventilation and Orotracheal Intubation: An Application of the Cumulative Sum Method. Anesthesiology2010;112(6):1525-1531. doi: 10.1097/ALN.0b013e3181d96779.

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2 Gedanken zu „Kein SGA als Alternative zur Maske im San-Dienst – ist das sinnvoll?

  1. Wenn ich schon höre „gewisse Anwendung zur Beherrschung“. Ja klar… wie bei ALLEN Dingen. Aber man muss auch überlegen, was die Alternative ist! Eine Maskenbeatmung kann es wohl ja nicht sein. Aus meiner Lehrsanitätertätigkeit kann ich fix sagen, dass die Maskenbeatmung weitaus MEHR Probleme bereitet als der Larynxtubus.

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