Blasensprung…. und jetzt immer liegend?

Blasensprung…. und jetzt immer liegend?

In einem vor kurzer Zeit geteiltem Facebook Post wurde die Frage gestellt, ob es eine Evidenz dafür gibt dass Schwangere nach einem Blasensprung immer liegend transportiert werden müssten oder ob sie nicht auch laufen könnten. Dies beinhaltet natürlich auch den Transport von der Wohnung in den RTW.

Eine, meiner Meinung nach, nicht schlechte Frage; steht dieses Meldebild ja nicht gerade allzu selten auf unserem Tagesprogramm. Um es kurz vorweg zu nehmen; eine wirklich harte Evidenz für einen zwingend liegend durchzuführenden Transport habe ich nach einer Recherche in PubMed nicht wirklich finden können. Ein wenig medizinisch, anatomisches Verständnis hilft aber vielleicht eine für den jeweiligen Fall passende Lösung zu finden.

Prinzipiell spricht man von einem Nabelschnurvorfall wenn die Nabelschnur nach dem Blasensprung vor den Fetus rutscht und damit durch das Eigengewicht des Fetus oder in Verbindung mit Wehen geklemmt werden kann. Folge ist eine massives Hypoxiestadium für den Fetus welches im CTG mit einer Bradykardie auffällig werden wird. In solchen Fällen kann der Nabelschnurvorfall bis vor den Geburtskanal und somit offensichtlich oder eben auch im Geburtskanal und damit nicht sofort erkennbar erfolgen. Aber auch bei noch intakter Fruchtblase kann dies geschehen; man spricht dann von einer Nabelschnurvorlage.

In einer Arbeit von Hasegawa et. al. [1] wurde als einer der Risikofaktoren für den Nabelschnurvorfall der vorzeitige Blasensprung ausgemacht. Dies hat vermutlich damit zu tun dass sich der kindliche Kopf normalerweise erst im Zeitrahmen 34. bis 36. SSW in das Becken legt und senkt und somit danach das „Vorrutschen“ der Nabelschnur theoretisch eigentlich nicht mehr möglich sein sollte – Ausnahmen bestätigen die Regel!

Es scheint also bei Patientinnen welche vor der 37. / 38. SSW zu Hause einen Blasensprung erleiden und der Kopf im müttlichen Becken nicht schon durch den Frauenarzt verifiziert wurde evtl. sicherer zu sein die Mutter in liegender Position zu transportieren. Allerdings gab es in einer kleineren Studie von Bigelow et. al. [2], welche die Bettruhe vs. nicht Bettruhe bei Patientinnen mit vorzeitigem Blasensprung untersuchte, keinen einzigen Fall eines Nabelschnurvorfalls.

Auch Portz et. al. [3] kommen in ihrem Artikel zum Schluss dass eine klare Evidenz und somit eine klare Empfehlung für oder gegen einen zwingenden liegenden Transport nicht vorhanden ist. Eine kritisches Hinterfragen und somit eine Fallabwägung sollte erfolgen.

Also scheint nach wie vor die Fallabwägung nach medizinischem Verstand das Einzige zu sein was weiterhilft. Eine Grundsatzempfehlung eine Patientin nach einem Blasensprung nicht mehr laufen zu lassen scheint jedenfalls maßlos übertrieben zu sein. Ist bekannt dass der kindliche Kopf nicht im Becken sitzt, ist man mit einem liegenden Transport auf jeden Fall auf der forensisch sichereren Seite. Dann allerdings auch mit allen Konsequenzen. Heißt liegend auch auf dem Weg zum Fahrzeug.

Wenn ein Nabelschnurvorfall ersichtlich ist, kommt es auf jede Minute an. Ein zügiger Transport in eine Klinik mit Entbindungsmöglichkeit unter Voranmeldung und Sectiobereitschaft ist erforderlich. Bei längerer Dauer bis zur Entbindung (also quasi präklinisch immer) sollte eine Tokolyse erfolgen, der Geburtskanal manuell evtl. geweitet [4] und der kindliche Kopf zurückgeschoben werden um die Nabelschnur vom Druck zu entlasten. Eine Manipulation an der Nabelschnur selbst ist zu vermeiden.


[1] Hasegawa J, Ikeda T, Sekizawa A, Ishiwata I, Kinoshita K, On behalf of Japan Association of Obstetricians and Gynecologists, Tokyo, Japan. Obstetric risk factors for umbilical cord prolapse: a nationwide population-based study in Japan. Arch Gynecol Obstet. 2016;294(3):467-472. doi:10.1007/s00404-015-3996-3.

[2] Bigelow C et al, Pilot Randomized Controlled Trial to Evaluate the Impact of Bed Rest on Maternal and Fetal Outcomes in Women with Preterm Premature Rupture of the Membranes. Amer J Perinatol 2016; 33(04): 356-363 DOI: 10.1055/s-0035-1564427

[3] Portz S et al, Lying Down after Premature Rupture of the Membranes in Term Singleton Pregnancies: An Evidence-Based Recommendation? Z Geburtshilfe Neonatol 2016; 220(05): 200-206 DOI: 10.1055/s-0042-107361

[4] Sayed Ahmed WA, Hamdy MA. Optimal management of umbilical cord prolapse. Int J Womens Health. 2018;10:459-465. Published 2018 Aug 21. doi:10.2147/IJWH.S130879

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