mCPR – neues Paper mit Daten aus deutschem Reanimationsregister

mCPR – neues Paper mit Daten aus deutschem Reanimationsregister

Auf die Thematik der Anwendung von mechanischen Reanimationsgeräten wurde hier bereits im Artikel „mCPR – Fluch oder Segen?“ sowie auf vielen anderen Blogs eingegangen. Vor allem die bisher großen Studien „LINC“ und „PARAMEDIC“ und auch einige andere wurden darin aufgearbeitet. Bisher war die Datenlage eher so, dass kein Vorteil für die mCPR dargestellt werden konnte. In einigen Arbeiten war sogar ein schlechteres Outcome bei mCPR aufgetreten.

Am 02. Januar 2019 wurde nun eine neue Arbeit mit Daten aus dem deutschen Reanimationsregister veröffentlicht welche auf diese Thematik eingeht.

Application of mechanical cardiopulmonary resuscitation devices and their value in out-of-hospital cardiac arrest: A retrospective analysis of the German Resuscitation Registry. Seewald S et al; https://doi.org/10.1371/journal.pone.0208113

Was wurde untersucht?

Vergleich von manueller CPR und mechanischer CPR bei OHCA mit dem primären Endpunkt ROSC.

Studienart

Retrospektive Datenanalyse aus dem deutschen Renimationsregister; Zeitraum 01.01.2007 bis 31.12.2014

Patientenkohorte

Nichttraumatischer OHCA bei Patienten älter als 18 Jahren. Patienten bei welchen ACD CPR benutzt wurde sowie Patientendaten bei welchen das ROSC sowie die CPR Mathode nicht bekannt war wurden ausgeschlossen.

Gruppe manuelle CPR n = 17085

Gruppe mechanische CPR n = 872

Geräte

Zur Anwendung kamen sowohl der LUCAS sowie das AutoPulse Device.

Statistische Methoden

  • Pearson`s chisquared Test
  • Kruskal-Wallis Test
  • Mann-Whitney U Test

Ergebnisse

mCPR wurde öfter bei Reanimationen im öffentlichen Bereich angewendet als in der Wohnung, in Altenheimen oder medizinischen Einrichtungen.

Asystolie war eher bei Patienten in der „manuellen“ Gruppe vorzufinden, Kammerflimmern eher in der mCPR Gruppe.

Ebenso wurde die mCPR signifikant häufiger bei beobachtetem OHCA sowie bei bereits eingeleiteter Laienreanimation eingesetzt. Auch wurden in der mCPR Gruppe bei weitem mehr ACLS Maßnahmen vorgenommen als in der „manuellen“ Gruppe.

Die ROSC Rate betrug in der „manuellen“ Gruppe 41,2 % und in der mCPR Gruppe 51,5 %. Nach risk adjustment (epidemiologische Faktoren außer Zeit) ergab der Vergleich mCPR zu manuell in Bezug auf ROSC eine OR von 1.27 (95 % – CI 1.09-1.48). Nach Einbezug der Zeit in die Anpassung OR 1.77 (95 % – CI 1.48-2.12) für die mCPR.

Limitationen

Es handelt sich um eine retrospektive Betrachtung von Daten einer Datenbank, nicht um eine RCT (dürfte bei diesem Patientengut auch schwierig werden eine solche durchzuführen).

Es standen keine Informationen zur generellen CPR Qualität, Unterbrechungen und damit „no flow time“, Kompressionstiefe sowie Zwischenfällen zur Verfügung.

Zusammenfassung der Autoren

mCPR war mit einer erhöhten ROSC Rate in Verbindung zu bringen; auch nach risk adjustment. mCPR könnte eventuell bei speziellen Indikationen das Überleben verbessern; abhängig von der ärztlichen Entscheidung und vor allem bei längerer Reanimationsdauer.

Meine persönliche Einschätzung

Der Vorteil eines Einsatzes eines mCPR Devices ist von multiplen Faktoren abhängig, welche sich in retrospektiven Analysen oftmals nur schwer komplett darstellen lassen. Diese liegen im medizinischen wie auch logistischen Bereich und umfassen unter anderem:

  • Manpower des vor Ort befindlichen Personals
  • Qualität der manuell durchgeführten CPR
  • Trainingstand und somit Zeit (no flow time) Beginn Anlage bis Einschalten des mCPR Devices
  • medizinische Einschätzung (evtl. Abschätzung der Dauer der CPR vor allem in Bezug auf Anzahl des Personals und somit auch Qualität der CPR)
  • Notwendiger Transport unter CPR (mCPR aus Sicherheits- und Qualitätsgründen obligat!)

Es sollte also eine Entscheidung über die Anlage eines mCPR Device im Team unter Anbetracht der o. g. Punkte gemeinsam gefällt werden. Ist längere Zeit bei laufender CPR und wenig Personal kein Arzt vor Ort so kann und muss die Entscheidung auch durch die RTW Besatzung gefällt werden.

Abschließend würde ich mir eine Studie zu dieser Thematik mit primärem Endpunkt „Überleben mit gutem neurologischen Outcome“ wünschen.

 

 

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