PEEP – auch am Beatmungsbeutel

PEEP – auch am Beatmungsbeutel

Bei der Beatmung ist die Nutzung von PEEP (positive end exspiratory pressure) gängige Praxis. Er soll den Kollaps der Alveolen und somit die Ausbildung von Atelektasen verhindern; dient also der Erhöhung der Gasaustauschfläche (funktionelle Residualkapazität). Der PEEP ist einer der beiden Stellschrauben zur Verbesserung der Oxygenierung und bestimmt den Druck und somit das Volumen welches am Ende der Exspiration in der Lunge verbleibt.

Bei Beatmungen bei welchen die pulmonale Situation nicht das Grundproblem darstellt, also vor allem die Oxygenierung nicht das Problem ist, wird dieser in der Regel um 5 cm Wassersäule liegen.

Kommt zum Fehlen der normalen Atemphysiologie noch die Anwendung einer hohen FiO2 ist ein „Auswaschen“ des Stickstoffes in der Lunge die Folge. Dies ist zum einen gerade bei der Präoxygenierung gewünscht, unterstützt jedoch die Entstehung von Resorptionsatelektasen u. a. durch eine Veränderung der alveolären Oberflächenspannung. Aus diesem Grund sollte mit steigendem FiO2 auch der PEEP nach oben angepasst werden. Eine gute Tabelle hierfür stellt das ARDSNET zur Verfügung.

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Aus „ARDS NET Mechanical Ventilation Protocol Summary“ (http://www.ardsnet.org/files/ventilator_protocol_2008-07.pdf)

Die hier gezeigte ARDSNET Liste findet vor allem bei maschineller Beatmung Anwendung.

Welche Auswirkungen der PEEP auf die Entfaltung der Lunge und damit auf die Größe der Gasaustauschfläche hat, zeigt ein kurzes Video im hier eingebetteten Tweet…

Hieraus wird ersichtlich, warum auch schon bei der Beatmung mit Beutel und Maske ein PEEP Ventil zum Einsatz kommen sollte. Bei den meisten Situationen bei welchen ein Beatmungsbeutel zum Einsatz kommt (z. B. Reanimation, Präoxygenierung) sollte jedoch darauf geachtet werden dass das PEEP Niveau nicht zu hoch gewählt wird um eine übermäßige intrathorakale Drucksteigerung zu vermeiden.

Um den PEEP bei Maskenbeatmung auch konstant aufrecht zu erhalten ist natürlich ein steter, dichter Maskenschluss notwendig! Hierfür sind zwei Helfer Voraussetzung. Ich verweise hier auf den Artikel „2er Team – 4 Hände bei Basis-CPR sinnvoll nutzen„.

Im Auge behalten werden muss die Einstellung des PEEP vor allem bei Patienten mit schlechter Kreislaufsituation da es durch die hierdurch herbeigeführte Erhöhung des intrathorakalen Druckes zu einer weiteren Kreislaufdepression kommen kann. Auch bei Patienten mit einer Obstruktion der Atemwege ist Vorsicht geboten da mit einer Ausbildung eines sog. Auto-PEEP und somit zum Air-Trapping  mit Überblähung zu rechnen ist.

Auch sei daran erinnert, dass bei Patienten welche mit hohem PEEP beatmet werden, bei einem Wechsel an ein anderes Beatmungsgerät im Rahmen eines anstehenden Transportes der PEEP durch ein Abklemmen des Tubus bei durchgeführtem Inspiration-hold erhalten bleiben sollte. Ein einfaches Ab- und wieder Anstecken des Beatmungsschlauches führt unweigerlich zum PEEP-Verlust und somit zum Kollaps der Alveolen und zu einem Einbruch der Oxygenierung.

2 Gedanken zu „PEEP – auch am Beatmungsbeutel

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