Was hat Tranexamsäure mit dem Angioödem zu tun?

Was hat Tranexamsäure mit dem Angioödem zu tun?

Das Thema Angioödem wurde hier bereits einmal in dem Artikel „Dicke Lippe – das Angioödem“ aufgearbeitet. Die Grundkenntnisse zu diesem Thema sollten vor dem Weiterlesen dieses Blogeintrages vorhanden sein. Es empfiehlt sich also den oben verlinkten Artikel im Zweifelsfall vorher nochmals durchzulesen.

Die gängigen Therapieansätze beim Angioödem sind, wenn notwendig

  • FFP´s
  • Icatibant
  • C1-Inhibitor Konzentrat

Zum einen stellt sich jedoch die sofortige Verfügbarkeit der aufgezählten Therapieoptionen unter Umständen etwas schwierig dar, zum anderen ist die Wirksamkeit der Icatibant Therapie nach meinem Kenntnisstand nach wie vor in Frage gestellt[1].

Vor kurzem sind mir zwei Papers zum Thema Therapie des Angioödems mit Tranexamsäure (TXA) in die Hände gefallen, welche auf jeden Fall die Zeit lohnen einmal drüber zu schauen. Sie beschreiben einmal Zahlen in Bezug auf die Akuttherapie mittels TXA sowie auch der Langzeittherapie zur Unterdrückung eines weiteren Auftretens sowie zumindest zur Minderung des Schweregrades. In der Akuttherapie erhielten die meisten Patienten 1 g (18 v. 32) bzw. 2 g (8 v. 32) TXA.

Beauchêne C, Martins-Héricher J, Denis D, Martin L, Maillard H. Intérêt de l’acide tranexamique en traitement d’urgence de première intention des crises d’angiœdème bradykinique sous IEC. La Rev Médecine Interne. 2018;39(10):772-776. doi:https://doi.org/10.1016/j.revmed.2018.04.014
Wintenberger, C. , Boccon‐Gibod, I. , Launay, D. , Fain, O. , Kanny, G. , Jeandel, P. Y., Martin, L. , Gompel, A. and Bouillet, L. (2014), TA for bradykinin‐mediated AE. Clin Exp Immunol, 178: 112-117. doi:10.1111/cei.12379

Die deutsche AWMF Leitlinie [2] favorisiert zwar die Gabe von Icatibant mit Verweis auf die FAST-1 und FAST-2 Studienergebnisse welche jedoch in dem zusammenfassenden Paper von Cicardi et al [4] einen auch nur „nicht signifikanten“ Benefit für Icatibant hervorbringen. Des weiteren wird auf den evtl. verzögerten Wirkeintritt von TXA verwiesen.

Trotz allem scheint TXA gerade in Situationen in welchen die gängig angeratenen Therapiemethoden auf die schnelle nicht zur Verfügung stehen, also gerade im Rettungsdienst, evtl. einen Versuch wert.

Diskussion….???

Nachtrag (01.08.2019): IBCC Kapitel Angioödem


[1] Richard Sinert, Phillip Levy, Jonathan A. Bernstein, Richard Body, Marco L.A. Sivilotti, Joseph Moellman, Jennifer Schranz, Jovanna Baptista, Alan Kimura, Wolfram Nothaft, Randomized Trial of Icatibant for Angiotensin-Converting Enzyme Inhibitor–Induced Upper Airway Angioedema, The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice, 2017, ISSN 2213-2198, http://dx.doi.org/10.1016/j.jaip.2017.03.003.

[2] Leitlinie: Hereditäres Angioödem durch C1-Inhibitor-Mangel 

[3[ Cicardi, M., Banerji, A., Bracho, F., Malbrán, A., Rosenkranz, B., Riedl, M., … Fan, W. T. (2010). Icatibant, a new bradykinin-receptor antagonist, in hereditary angioedema. The New England journal of medicine, 363(6), 532–541. doi:10.1056/NEJMoa0906393

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s