Immer am Puls…

Immer am Puls…

Der Puls ist einer der Vitalwerte welchen wir bei unseren Patienten regelhaft erheben. Eigentlich ja eine „Basisuntersuchung“ welche bereits nach dem San-Kurs beherrscht und bei jedem Patienten angewendet werden sollte. Aber wenn wir alle mal ehrlich sind, fühlen wir im Rettungsdienst wirklich immer den Puls? Oder machen wir es uns nicht allzuoft zu einfach und übertragen einfach den angezeigten Frequenzwert des Pulsoxymeters oder des EKGs?

Dabei können wir aus dem Tasten des Pulses viel mehr erfahren als nur das Auszählen der Frequenz.

  • Frequenz (15 oder 30 sec. auszählen und dann mal 4 bzw. mal 2)
  • Qualität (Druckpuls, normal, fadig)
  • rhythmisch vs. arrhythmisch
  • bringt jede R-Zacke am Monitor auch einen peripheren Puls (vernünftigen Auswurf) hervor?

Es lohnt sich also immer im Rahmen der ersten Untersuchung und Erhebung der Vitalparameter auch tatsächlich den Puls zu „FÜHLEN“ und nicht nur einer Zahl auf dem Monitor zu vertrauen!

Wo der Puls gemessen werden kann, sollte allen bekannt sein. Hier aber trotzdem nochmals die Standardstellen:

  • Handgelenk (radial)
  • Hals (carotis)
  • Leiste (femoral)
  • Nabelschnur (b. Neugeborenen)
  • Herzspitze (apikal b. Neugeborenen und Säuglingen) – direkte Frequenzmessung, keine Pulsbeurteilung

Nicht alle Schlussfolgerungen die wir vielleicht aus dem Pulsfühlen ziehen sind jedoch auch eine wissenschaftliche Tatsache sondern eher ein Mythos. Hierzu zählt unter anderem die Aussage „kann ich den Puls radial tasten, ist der Blutdruck noch über 80 mm/Hg“. Darauf ist keinerlei Verlass! Einen guten Artikel zu diesem Thema gibt es bei dasFOAM.

Auch auf den Schockindex möchte ich hier nochmals kurz eingehen. Die Pulsfrequenz geteilt durch den systolischen Blutdruckwert ergeben eben diesen. Ein Schockindex von > 0,8 bis 1,0 oder darüber spricht für eine massive Kreislaufdysregulation und ist in vielen Arbeiten nachgewiesener Maßen mit einer erhöhten Hospitalzeit und auch Mortalität verquickt. Mehr dazu auch hier.

Dass das Pulsfühlen zur „Diagnose“ eines Herzkreislaufstillstandes sowie als Kontrollfunktion während der CPR nicht wirklich das geeignete Mittel darstellt, sollte auch bekannt sein. Hier überlisten wir uns viel zu oft selbst und fühlen unseren eigenen Puls. Wenn also bewusstlos, keine oder seltsame Atmung –> drücken und blasen! Bei laufender CPR erfolgt eine Pulskontrolle nur wenn das EKG bei der Rhythmuskontrolle einen auswurffähigen Rhythmus zeigt.

Also, immer schön am Puls bleiben! Die 15 bzw. 30 Sekunden sind immer drin.

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