„Serienkiller“ Akute Atemnot

„Serienkiller“ Akute Atemnot

Aufbauend auf den ersten Post zum Thema „Serienkiller im Rettungsdienst“ möchte ich hier auf die, unter dem Meldebild „akute Atemnot“ aufgeführten Arbeitsdiagnosen noch etwas näher eingehen und den ein oder anderen Gedankenstoß bzw. Tip zur Wegfindung zur ein oder anderen Arbeitsdiagnose aufführen.

Lungenödem / SCAPE

Differentialdiagnostisch dürfte beim Lungenödem vor allem die Pneumonie auf der Liste stehen. Hilfreich bei der Unterscheidung ist vor allem die Anamnese. So sprechen  vorgeschichtliches Auftreten eines LÖ sowie z. B. eine bekannte Herzinsuffizienz, ein arterieller Hypertonus oder eine Dialysepflichtigkeit eher für ein Lungenödem als eine Pneumonie; schließen diese jedoch nicht aus. Auch treten beim LÖ eher grobblasige feuchte RGs, meist über der kompletten Lunge, auf. Bei der körperlichen Untersuchung fällt oft eine der Atemnot / Atemarbeit bzw. dem Kreislauf geschuldete Kaltschweißigkeit auf. Ödeme an den Extremitäten deuten auf eine ursächliche Volumenüberladung hin. Zum Thema SCAPE möchte ich noch folgenden Artikel empfehlen: Sympathetic crashing acute pulmonary edema

COPD / Asthma

Beide Krankheitsbilder beruhen auf einer Obstruktion der bronchialen Atemwege. Sie fallen vor allem durch eine giemendes Atemgeräusch, vor allem in expiratorischen Phase, auf. Bei der Perkussion des Thorax kann ein hypersonorer Klopfschall auffällig sein. Dieser ist auf die massive Luftansammlung in der Lunge zurückzuführen. In den meisten Fällen ist dem Patienten das Vorliegen der jeweiligen Erkrankung bekannt. Ausnahmen bestätigen die Regel, vor allem bei erstmalig auftretenden Asthmaanfällen; z. B. im Rahmen einer allergischen Reaktion. Zu einer besonderen Achtsamkeit möchte ich bei Patienten raten, welche bei offensichtlicher Atemnot bei bekanntem Krankheitsbild plötzlich oder bereits bei Eintreffen bestehend ein Atemgeräusch bei Auskultation  vermissen lassen.

Infarkt (Lungenembolie / ACS)

Diese beiden Ursachen, welche ebenfalls zu einer akuten Atemnot führen können, wurden bereits im Blogeintrag „Serienkiller – Brustschmerz“ erörtert da sie natürlich auch dort eine wesentliche Rolle spielen.

Pneumonie

Different zum Lungenödem können bei der Pneumonie eher feinblasige RGs u. U. begrenzt auf die betroffene Region auftreten. Auch kommt es über diesen Arealen eher zu einem hyposonoren Klopfschall. Eventuell begleitendes Fieber sowie Husten, welcher schmerzhaft sein kann, mit auffälligem Sputum können in diese Richtung wegweisend sein.

Nicht pulmonale Ursache – Azidose

Hier möchte ich vor allem auf die, u. a. durch eine Hyperglykämie im Rahmen einer massiven Ketonbildung, hervorgerufene Azidose hinweisen, welche durch einen Kompensationsmechanismus hervorgerufene massive Tachypnoe (Kussmaul Atmung) eine reale Atemnot vortäuschen kann. Hier ist jedoch wichtig zu erkennen, dass nicht eine Minderversorgung mit Sauerstoff sondern der Versuch des Körpers CO2 abzuatmen die Ursache der Tachypnoe darstellt. Neben der diabetischen Keto-Azidose können auch verschiedene Intoxikationen hierzu führen; allen voran Acetylsalicylsäure sowie Methanol oder Ethylenglycol. Wichtig ist hier, eine Intubation und Beatmung wenn irgend möglich zu vermeiden um den körpereigenen Kompensationsmechanismus nicht zu durchbrechen und die Azidose auf dem respiratorischen Wege zu verstärken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s