Volumen bei Verbrennung

Volumen bei Verbrennung

Geht es um die präklinische Versorgung von Verbrennungen denkt man neben der sterilen Wundabdeckung und Analgesie vor allem an die Volumentherapie. Hier fällt auf, dass man oftmals geneigt ist dem Patienten zügig so einiges an Infusionslösung angedeihen zu lassen. Doch wie viel Volumen ist eigentlich wirklich im Rahmen der Empfehlungen und schaden wir eventuell dem Patienten mit einer zu großzügigen Volumentherapie?

Ziel der Volumentherapie bei Verbrennungen ist die Aufrechterhaltung der Perufusion des Gewebes bei stetem Flüssigkeitsverlust aus dem Gefäßsystem durch eine erhöhte Permeabilität. Verbrennungen von unter 20 % Körperoberfläche (KOF) gehen in der Regel mit einem eher geringeren Flüssigkeitsverlust einher welcher evtl. sogar oral ausgeglichen werden kann (1). Bei größeren Verbrennungen muss auf eine Infusionstherapie zurückgegriffen werden. Die Zirkulation sowie vor allem auch eine ausreichende Nierenfunktion kann am besten durch die möglichst frühzeitige Kontrolle der Urinausscheidung überwacht werden. Ziel sollte hierbei ca. 1 ml / kg / h sein, bei Erwachsenen mindestens > 30 ml / h (2, 3).

Zur Berechnung der notwendigen Volumenmenge stehen verschiedene Formeln zur Verfügung. Wohl am bekanntesten dürfte die Parkland Formel sein:

4 ml x kg x % verbrannte KOF

Es gilt hierbei zu beachten, dass nur die zweit- und drittgradig verbrannte KOF in die Berechnung einfließt! Der Anteil der erstgradigen Verbrennungen wird außer Acht gelassen. Die Hälfte der errechneten Menge wird hierbei in den ersten acht Stunden verabreicht.

Um eine Überschwemmung mit Volumen zu vermeiden rückt seit geraumer Zeit die sogenannte Consensus Formel immer weiter in den Vordergrund:

2 – 4 ml x kg x verbrannte KOF

Hier wird bei Erwachsenen im Regelfall von 2 ml, bei Kindern von 3 ml und bei elektrischen Verbrennungen von 4 ml ausgegangen.

Berechnen wir eine großflächige Verbrennung von ca. 40 % zweit- und drittgradig verbrannter KOF bei einem 70 kg schweren Patienten nach der Parkland Formel so kommen wir auf ein Gesamtvolumen von 11.200 ml in 24 h. Die Hälfte davon in den ersten acht Stunden (= 5.600 ml). Teilt man diese 5.600 ml nun durch 8 so würden im Rettungsdienst in der präklinischen Versorgung, geht man davon aus dass diese nicht länger als eine Stunde in Anspruch nimmt, maximal 700 ml an Volumengabe anfallen. Verwendung finden sollten ausschließlich Vollelektrolytlösungen (4)!

Problem ist hierbei, dass sich im präklinischen Bereich mit der Volumengabe oftmals verschätzt wird und der Patient massive Mengen an Infusionslösungen erhält. Oftmals nicht bewusst dessen, dass wir dem Patienten hierdurch Schaden zufügen können. Aus einer übermäßigen Infusionstherapie resultieren oftmals

  • Hypothermie
  • abdominales Kompartment Syndrom
  • ARDS

Dies sind durchaus Probleme welche dem Patienten einen verlängerten Aufenthalt auf der Intensivstation bescheren können und evtl. sogar das Leben kosten. Auch wenn diese Probleme meist erst in der klinischen Zeit auftreten bzw. erkannt werden, sollten wir sie in der Präklinik auf dem Schirm haben da wir hierzu die Weichen stellen.

Es gilt also: „Manchmal ist weniger mehr!“

Einen sehr guten Podcast zum Thema Verbrennung und Volumentherapie findet ihr hier:

Bildschirmfoto 2017-10-16 um 18.46.08


(1) Haberal M, Sakallioglu Abali AE, Karakayali H. Fluid management in major burn injuries. Indian Journal of Plastic Surgery : Official Publication of the Association of Plastic Surgeons of India. 2010;43(Suppl):S29-S36. doi:10.4103/0970-0358.70715.

(2) Emara, S.S., and A.A. Alzaylai. „Renal Failure in Burn Patients: A Review.“ Annals of Burns and Fire Disasters 26.1 (2013): 12–15. Print.

(3) UW Medicine BURN STABILIZATION PROTOCOL

(4) AWMF Leitlinie Thermische und chemische Verletzungen (derzeit in Überarbeitung 16.10.2017)

Ein Gedanke zu „Volumen bei Verbrennung

  1. Hallo
    ein interessanter Artikel.

    Ich kenne es aus den Leitlinien für Kinder (S2K Thermische Verletzungen) das es 10ml/kg/KG sind und bei Erwachsene ca. 15-20ml/kg/KG …ich glaube das empfiehlt auch die DGV.
    Formeln sind wichtig…aber in der Notfallmedizin sollte es einfach zu handhaben sein. Und da rechnet es sich schneller und einfacher so wie es oben abgegeben ist und die Gefahr der Überdosierung ist geringer.

    Ich bin der gleichen Meinung „Manchmal ist weniger mehr!“

    LG. Micha

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