CRM – was steckt eigentlich dahinter?

CRM – was steckt eigentlich dahinter?

CRM – drei Buchstaben welche in einigen Artikeln wie z. B. über Fixierungsfehler, Sicherheit bei Medikamentengabe sowie Kommunikation  hier bereits Erwähnung fanden. Was aber steckt eigentlich hinter diesen Buchstaben bzw. was bedeuten sie?

CRM hat heutzutage mehrere Definitionen.

  • Cockpit Resource Management
  • Crew Resource Management
  • Crisis Resource Management

Ende der 70er Jahre durch die NASA eigentlich als Cockpit Resource Management entwickelt um mehr Sicherheit im Luftverkehr hervorzubringen hat dieses Art von Denken und Handeln inzwischen auch Einzug in die Medizin gefunden; wenn auch sehr langsam. Man kann getrost sagen: „Wir sind in dieser Sache noch lange nicht da wo wir eigentlich sein sollten!“

Macht es eigentlich Sinn Verhaltens- und Denkweisen aus der Luftfahrt auf die Medizin zu übertragen? Sind ja eigentlich zwei komplett verschiedene Bereiche. Meiner Meinung nach definitiv JA! Wenn auch nicht im 1:1 Verhältnis. Hintergrund ist das Ziel die Sicherheit für den Patienten zu erhöhen indem Zwischenfälle bis hin zum Tod des Patienten vermieden werden. Dies kann in der Medizin und gerade in der meist stressvollen Notfallmedizin durchaus mit dem Verlauf eines Zwischenfalls bis hin zum Crash eines Flugzeuges verglichen werden.

Um was geht es also nun bei CRM? Kurz und prägnant; um alles was nicht mit technischen Skills (also med. Wissen und Handeln) zu tun hat. Es geht also um die sogenannten „non technical skills“, den „human factor“. Ziel ist nicht Fehler einer Person aufzudecken und diese bloßzustellen sondern Zwischenfälle und Fehler wenn möglich zu vermeiden oder zumindest daraus zu lernen.  Es geht also definitiv nicht um Schuldzuweisung! Auch muss gar nicht immer ein Kollege / eine Kollegin in Persona „schuld“ sein; oftmals steckt ein System- oder Organisationsfehler hinter einem medizinischen Beinahe-Crash oder Crash.

CRM umfasst also die gesamte Bandbreite des Arbeitsablaufes; angefangen von der Organisation einzelner Verfahrensabläufe bis hin zur Interaktion und Kommunikation eines jeden einzelnen in einem Behandlungsteam. Es geht also kurz und knapp gesagt u. a. darum die Performance jedes einzelnen im Team und somit auch des gesamten Teams bei maximaler Patientensicherheit so effizient wie möglich zu gestalten.

Gabba und Rall haben hierfür 15 Leitsätze erarbeitet:

  1. Kenne Deine Arbeitsumgebung.
  2. Antizipiere und plane voraus.
  3. Fordere Hilfe an, lieber früh als spät.
  4. Übernimm die Führungsrolle oder sei ein gutes Teammitglied mit Beharrlichkeit.
  5. Verteile die Arbeitsbelastung  (10-für-10-Prinzip)
  6. Mobilisiere alle verfügbaren Ressourcen (Personen und Technik).
  7. Kommuniziere sicher und effektiv – sag was Dich bewegt.
  8. Beachte und verwende alle vorhandenen Informationen.
  9. Verhindere und erkenne Fixierungsfehler.
  10. Habe Zweifel und überprüfe genau („double check“, nie etwas annehmen).
  11. Verwende Merkhilfen und schlage nach.
  12. Reevaluiere die Situation immer wieder  (10-für-10-Prinzip)
  13. Achte auf gute Teamarbeit – andere unterstützen und sich koordinieren.
  14. Lenke deine Aufmerksamkeit bewusst.
  15. Setze Prioritäten dynamisch.

Ein oftmals mit CRM in Verbindung gebrachter Begriff ist CIRS. Hierbei geht es meinem Verständnis nach jedoch nicht direkt um aktives CRM sondern um die Erfassung von kritischen Situationen welche zu einem Zwischenfall oder Fehler geführt haben und somit das Patientenwohl gefährden können oder dies bereits haben. Dies wird dann der breiten Masse zur Verfügung gestellt um daraus lernen zu können und den selben Fehler oder Zwischenfall nicht nochmals zu provozieren.

Und hier muss nochmals klar herausgestellt werden dass es nicht um die Suche eines Schuldigen oder einer Schuldzuweisung gehen darf! Die Notwendigkeit eines anonym gehaltenen CIRS Systems zeigt aber auch wie weit entfernt wir eigentlich von einer richtig verstandenen Fehlerkultur wir im medizinischen Bereich eigentlich sind.

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Erst wenn Arbeitgeber verstanden haben, dass eine „blame and shame“ Kultur mit evtl. sogar noch arbeitsrechtlichen Konsequenzen für den ausgemachten „Schuldigen“ nicht das Ziel sein kann und dies keinesfalls zur mehr Patientensicherheit führt, sind wir auf dem richtigen Weg.

Einen sehr hörenswerten Podcast zum Thema CRM bietet die Plattform „abhoeren – der Medizin Podcast“ mit einem Interview mit Marcus Rall zu diesem Thema.

Auch Checklisten sind in der Luftfahrt tägliches Arbeitswerkzeug eines jeden Piloten. Auch hier stellt sich die Frage ob die Anwendung von Checklisten nicht auch in der Medizin Sinn machen würde. Meine Meinung und Einstellung hierzu gibt es dann in einem der nächsten Posts.

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