Eine alltägliche Handlung im Rettungs- und Notarztdienst sowie Intensivtransport ist das Verabreichen von Medikamenten; meist in Form einer intravenösen Gabe. Hier wartet jedoch auch großer Risikobereich. Abgesehen davon dass jedes Medikament neben der gewünschten Wirkung auch mit Nebenwirkungen aufwarten kann welche es zu beherrschen gilt, lauert vor allem der sogenannte „human factor“ als Fehlerquelle.
Etwa 1 % aller Patienten sterben aufgrund eines Fehlers bei der Medikamentengabe. Bis zu über 80 % der Zwischenfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen (1) und somit eigentlich weitestgehend zu vermeiden.
Die Anwendung der sogenannten 5-R-Regel trägt hier schon einen wesentlichen Teil zur Sicherheit bei wenn man sie vor jeder Medikamentenanordnung und -verabreichung kurz gedanklich durchgeht.
- Richtiger Patient
- Richtiges Medikament
- Richtige Dosierung
- Richtiger Applikationsweg / -ort
- Richtiger Zeitpunkt
Eine anschließende richtige Dokumentation ist natürlich ebenso wichtig!
Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Sicherheit ist die Kennzeichnung von Spritzen mit aufgezogenen Medikamenten mittels der nach DIN ISO 26825 genormten Etiketten. Sie ermöglichen auf Grund einer farblichen Codierung die Zuordnung der Medikamentengruppe und geben die Konzentration in mg / ml wieder.

Auch das 4-Augen Prinzip; also das Herzeigen des aufgezogenen Medikamentes inkl. der Ampulle trägt zur Sicherheit bei. Dies hat nichts mit Mißtrauen gegenüber demjenigen zu tun der die Ampulle aufgezogen hat. In der Hektik eines Einsatzes kann es schon mal vorkommen daneben zu greifen. Auch auf Grund manchmal sehr ähnlicher Ampullenetiketten kann es zu unbemerkten Verwechslungen kommen. Und auch bei der Medikamentenanforderung gilt der Spruch „gesagt ist nicht gehört; gehört ist nicht verstanden und verstanden ist nicht gleich umgesetzt“!
Mir selbst ist da ein Fall im Gedächtnis bei welchem statt Pantozol® eine Ampulle Pantolax® aufgezogen wurde. Nur weil eben wie oben beschrieben eine Gegenkontrolle erfolgte konnte Schlimmeres verhindert werden.
Die Kennzeichnung von venösen und arteriellen Zugängen mittels farblich unterschiedlicher Verschlusstopfen und Dreiwegehähne sollte konsequent verfolgt werden um evtl. arterielle Fehlinjektionen zu vermeiden. Hier gilt Blau für venös und Rot für arteriell.

Die / der letztendlich die Injektion Ausführende sollte sich ebenso einen letzten Kontrollmechanismus vor dem „Abzug“ angewöhnen. Habe ich ….
- …das richtige Medikament?
- …in der richtigen Konzentration?
- …bei richtiger Indikation?
- …am richtigen Zugang? (venös, nicht arteriell!!!)

Weitere Artikel in dieser Reihe:
(1) Pierre St, Hofinger G, Human Factors und Patientensicherheit in der Akutmedizin (3. Auflage); ISBN 978-3-642-55420-9

2 Gedanken zu „CRM – Sicherheit bei Medikamentengabe“