Der Transport von schwangeren Patientinnen zur Entbindung ins Krankenhaus oder auch der Notruf zu akuten Ereignissen in der Schwangerschaft stellen zwar nicht das Tagesgeschäft im Rettungsdienst dar, sind aber auch nicht die absoluten Exoten. Die Geburt an sich stellt auch keinen Notfall dar; man sollte aber die ein oder andere Komplikation im Rahmen der Schwangerschaft und Entbindung kennen und wissen wie man zu reagieren hat. Die postpartale Blutung sowie die Schulterdystokie wurde bereits in vorherigen Artikeln besprochen.
Eine der bekanntesten Komplikationen stellt die EPH-Gestose sowie die oft damit in Verbindung stehende Eklampsie dar.
Unter einer EPH-Gestose versteht man eine an ihren Leitsymptomen festgemachte Erkrankung im Rahmen der Schwangerschaft. Diese Leitsymptome sind:
- Ödeme (Edema; engl.)
- Proteinurie
- Hypertonus
Mit einer Inzidenz von bis zu 10 % aller Schwangerschaften ist diese nicht gerade als selten zu bezeichnen. Die genaue Ursache welche zum Auftreten dieser Symptome führt ist bis heute nicht geklärt und wird häufig mit einer Stoffwechselstörung oder Autoimmunreaktion in Verbindung gebracht. Für den Hypertonus wird auch eine evtl. Verminderung der Resistenz gegen das körpereigene Angiotension II in den Raum geworfen.
Im Zuge des Verlaufes kann sich ein HELLP-Syndrom ausbilden. Allerdings kann dies auch ohne vorherige EPH-Gestose von statten gehen. Der Name HELLP ist auf auf die Symptom Trias
- Hämolyse
- Hohe Leberwerte (Elevated Liver Enzyms; engl.)
- Thrombozytopenie (Low Platelets; engl)
zurückzuführen. Erstes Anzeichen ist oftmals ein Schmerz im rechten oberen Quadranten des Abdomens; verursacht durch eine Stauung in der Leber mit folgender Dehnung.
Der Verlauf beider Syndrome ist schwer einzuschätzen und kann zu einigen weiteren Komplikationen, wie Nierenversagen, zerebrale Blutungen, Lungenödem und Krampfanfällen führen.
Bei einer drastischen Verschlimmerung der EPH-Gestose kommt es zur Hyperreflexie, Kopfschmerz und Sehstörungen (…Blitze im Kopf). Folge kann ein Krampfanfall (Eklampsie) sein, welcher für die Mutter eine absolute Lebensgefahr darstellt. Ist das Kind noch nicht geboren, natürlich auch für dieses.
Zeichnet sich eine solche Entwicklung ab oder krampft die Patientin vielleicht bereits, stellt Magnesium (4 – 6 g / 15 min) mit anschließender Erhaltungsdosis von 1 g/h das Medikament der Wahl dar. Letztendlich stellt nur die Entbindung des Kindes eine kausale Therapie dar [1].
Wichtig ist auch auf dem Schirm zu haben, dass es auch noch nach mehr als 48 h nach der Entbindung zu Entbindung zu einem eklamptischen Krampfanfall kommen kann. In einer Untersuchungskohorte von Berhan und Endeshaw betrug der Anteil derer ganze 29 % des Gesamtpatientenklientels [2].
Warum nun aber im ersten Absatz „…oft damit in Verbindung stehende Eklampsie…“? Weil ich selbst vor kurzem auf einem Symposium lernen durfte dass die Anzahl derer welche eine Eklampsie erleiden ohne jemals vorher eine Proteinurie oder einen Hypertonus vorzuweisen mit ca. 15 % doch relativ hoch ist!
Fazit… auch bei Patientinnen bei welchen eine anamnestische EPH-Gestose nicht auszumachen ist sollte man, wenn über Kopfschmerz oder Sehstörungen geklagt wird, immer auf der Hut sein und mit dem schlimmsten rechnen!
[1] AWMF S1 Leitlinie „Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen“
